577 wunderschöne Sekunden.

Februar 29, 2008

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Ich habe schon viel und ich habe schon lange mit Raucherinnen und Rauchern über die Absurdität des Rauchens diskutiert, teilweise gestritten. Manchmal bin ich sachlich geblieben, oft wurde ich persönlich und in den allermeisten Fällen habe ich eine gewisse moralische Anklage erhoben.
Vielleicht liegt es an falscher Selbstwahrnehmung, aber ich kann mich tatsächlich nicht erinnern, dass ein Raucher eine solche Diskussion hoch erhobenen Hauptes verließ. Zumindest für 3-5 Minuten nicht. Dann hat er sich meistens doch wieder eine Zigarette abgezündet. Mit beschämendem Blick zu mir rüber geschaut und gesagt „Nächste Woche höre ich auf.“
Ja ja. Das sagen sie alle.
Gestern kam ich aber in den einmaligen Genuss von zwei Nichtraucherinnen das Rauchen erklärt zu bekommen und zum ersten Mal, verspürte ich eine gewisse Gelähmtheit. Meine Argumente waren keine spitzen Pfeile in die tiefe Raucherseele mehr. Sie schmettern ab. Als würden ich sie gegen eine Betonwand werfen.
Nicht nur das: Mir wurden neue Argumente entgegengebracht. Argumente, mit denen ich mich bisher nie konfrontiert sah. Sachliche wie emotionale. Das war fürchterlich.
Ich werde mich wohl für’s erste damit abfinden, dass Nichtraucherinnen die Welt der Raucher besser erklären können und dass ich meine gut sortierten Argumente, die ich blind aus den geistigen Schubladen zog, aufräumen muss. Im Schlimmsten fall, muss ein neuer Schrank her. Vielleicht reicht eine Kommode. Noch einmal würde mir das jedenfalls nicht passieren: Raucher fast verstehen zu können.

Berlin 3.

Februar 28, 2008

Berlin hat eigene Briefkästen.

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Berlin hat eigene Farben.

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Berlin hat eigene Kunst.

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Berlin hat eigene Vorstellungen.

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Berlin hat eigene Sprachen.

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Berlin hat eigene Geschichten. Eine davon gehört mir.

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Das habe ich nun davon: Ich habe mich nie mit Frauenpolitik, Feminismus oder Emanzipation auseinandergesetzt. Ehrlich gesagt, hielt ich das allen auch immer für übertrieben:

Ich finde es komisch in einer Diskussion als erste drangenommen zu werden und in den Vorstand gewählt zu werden, nur weil ich eine Frau bin. Ich finde es komisch Aushänge in der Uni zu sehen: „Mikroökonomie-Tutoren gesucht. Frauen werden bevorzugt.“

Aber ich habe mich angepasst: Ich gendere alles, was es zu gendern gibt. Manchmal sogar Verben. Da kommt dann so was wie „Meine Freundinnen gehninnen jetzt in die Mensa“ heraus. So weit ist es schon mit mir gekommen.

Dennoch: Männer aus meinem Umfeld kämpfen mehr für Gleichstellung als ich und wissen besser Bescheid über die Geschichte des Feminismus und worin sich Gleichstellung und Gleichberechtigung unterscheiden.

Jetzt bekomme ich die Quittung: Bei meinem Praktikum bei Anne W. sprechen wir über prominente Frauen, die zum Thema „Frauenbild in der Gesellschaft“ sprechen können. Mir fallen drei ein: Alice Schwarzer, Ursula von der Leyen und Eva Hermann. Immerhin weiß ich, dass Schwarzer und Hermann Gegensätze abbilden.

Aber die drei wollen wir nicht. Abgelutscht. Positionen zu klar. Zu wenig überraschend.

Nun gut, die anderen Namen die nun fallen, google ich fleißig. Strafe muss sein.

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Die landschaftlichen Höhepunkte sind sicherlich das erste, was dem Außenstehen zu Bolivien und Peru einfällt: Die Uyuni-Wüste im Süden Boliviens ist von schlichter, aber unvergleichlicher Schönheit, wenige Minuten im Regenwald erklären den Kampf um dessen Erhalt und der Anblick von Machu Picchu raubt den Atem und man fühlt sich mitgerissen von dieser unbeschreiblichen Stimmung und überwältigenden Erhabenheit.

Bolivien ist ein Land der Kontraste: Ein Land der Armut und des Reichtums, der Wüste und des Regenwalds, ein Land der Farben und der Farblosigkeit, ein Land des Lachens und des Weinens. Nicht selten wird Bolivien als der „geheime Schatz“ Südamerikas bezeichnet. Zu Recht.

Bolivien wird weniger bereist als Peru und das macht es so bezaubernd. Die Menschen strahlen eine wohltuende Ruhe und eine unvergleichliche Authentizität aus. Sie schenken dir ihr zahnloses Lächeln, neugierige Blicke und das besondere Gefühl willkommen zu sein.

Sie lieben Süßigkeiten und grelle Farben. Alle tragen Mützen, Kappen oder Hüte und fahren Toyota. Wenn du ihnen etwas erklärst, wiederholen sie alles noch mal um sicher zu gehen es richtig verstanden zu haben.

Die Kinder klagen nicht. Sie sitzen 7 Stunden im Bus auf dem Boden und sie klagen nicht. Sie verkaufen den ganzen Tag Süßigkeiten in einem 2 m² kleinen Stand und sie klagen nicht. Sie laufen kilometerweit zur Schule und sie klagen nicht.

Ja, für mich sind es die Einwohner, die das Land prägen und ihm diesen besonderen Charme geben, die die Erinnerung bestimmen und im Herzen bleiben, auch wenn dieses Bild ein einseitiges ist:

Noch nie hatte ich in vier Wochen so viele Krankheiten, noch nie so schreckliche Busfahrten und noch nie habe ich so gefroren. Ich habe mich selten so geekelt wie bei dem Anblick von toten Lamababies, die als Glückbringer gelten. Warmes Wasser, saubere Toiletten und frisches Brot werden zum Luxus und ich sehnte mich nach 1000 alltäglichen Dingen, die hier, in Deutschland, Selbstverständlich-keit sind.

Aber ich hatte das Gefühl Kultur einatmen zu können, weil die Menschen es zulassen, weil sie dich teilhaben lassen, weil sie sich nicht stören lassen, besonders aber weil ich mich darauf eingelassen habe. Ich habe alles „aufgesaugt“ und hatte das Gefühl nicht genug davon zu bekommen: Die Sprache, die Menschen, die Landschaften, die Geschichte, die Ruhe und die Hektik, die Nähe und die Distanz. Natürlich weiß ich nach einem Monat fast nichts über die tiefe Seele der Bevölkerung. Aber ich durfte sie kennen lernen.

Ich habe die schönsten Sonnenauf- und Untergänge gesehen, eine Gastfreundschaft erlebt, die natürlicher ist als alle zuvor erlebten und viel gelernt. Über Kultur, über das Leben, über die Welt. Über Anspruch und Luxus. Aber am meisten habe ich über mich selbst gelernt.

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Die tolle Maria Mena.

Februar 25, 2008

 

Zwei Lieder, die so wunderbar ihre beiden Seiten zeigen: Die lustige und die, sagen wie, sentimentale.

Also, unbedingt beide Lieder anhören. Viel Spaß.

Zitat der Woche.

Februar 24, 2008

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Die meisten sind ungefähr so glücklich wie sie es zu sein bereit sind.

Lincoln

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ich als aufmerksame Bürgerin und Kundin ihrer Automobile habe mit großem Interesse ihr Werbeprospekt für den neuen Tiguan studiert. Erst einmal möchte ich Ihnen mein Kompliment für eine sehr gelungene ästhetische Konzeption und Anmutung aussprechen.

Aber jetzt drängt sich mir doch das Gefühl auf Sie ein wenig aufklären zu müssen über einige Geschehnisse des letzten Jahres, über Forschungsergebnisse und eine gewisse gesellschaftliche Empfindung: Es hat sich tatsächlich herausgestellt, dass die Erderwärmung* „sehr wahrscheinlich“ durch den Menschen verursacht ist. Diese Erkenntnisse wurden im Sommerloch von den Medien dann zugegebenermaßen „hochgepusht“ und eine Welle der Empörung überflutet die Welt. Es gab Festivals, einen erfolgreichen Film eines ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten, täglich neue Schlagzeilen über das Ausmaß des Klimawandels, erschreckende Bilder über die Schnee-, Eis- und Gletscherschmelze usw.

Und es begann tatsächlich ein zu beobachtender Umdenkprozess. Den deutschen Automobilherstellern (zu denen ja auch Sie gehören) wurde vorgeworfen nicht früh genug an energiesparenden Modellen geforscht zu haben wie es beispielsweise Toyota seit Jahren tat. Vielleicht erinnern Sie sich an diese Anschuldigungen?!

Aber vielleicht auch nicht, denn nun sehe ich Ihr Prospekt und ich frage mich: „Ist das ein Scherz?“ „Verstehe ich die Ironie nicht, die hinter diesen Slogans steht?“ „Oder haben Sie tatsächlich schon wieder vergessen (Ich weiß in der Werbewelt kann das schnell mal passieren)?“ Wer kommt auf solche wahnwitzigen Ideen? Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich mit diesen blinden, tauben und ignoranten Menschen einmal verbinden könnten.

Um eines klarzustellen: Mir geht es nicht darum, dass jede Automobilwerbung nun Aussagen wie „Wir retten die Welt“ oder „Klimawandel ist doof“ enthalten muss. Nein. Und es darf auch weiterhin sportliche Modelle geben. Aber in einem Satz („Wer schneller ist hat mehr Zeit. Zum Beispiel für eine Extrarunde“) gleich zwei klimapolitische Tabus zu brechen, finde ich sehr beachtlich. Und wenn die Tiguan-Kunden dann auch noch dazu angehalten werden die Stadt als Herausforderung zu sehen, bitte ich bei VW dann nicht zu klagen, wenn die Versicherungsbeiträge für den Tiguan auf Grund von zahlreichen Unfällen und Todesfällen in unbekannte Ausmaße steigen.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin,

A…. …….r

* Als globale Erwärmung bezeichnet man den während der vergangenen Jahrzehnte beobachteten allmählichen Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere sowie die erwartete weitere Erwärmung in der Zukunft. Ihre hauptsächliche Ursache liegt nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Verständnis „sehr wahrscheinlich“ in der Verstärkung des Treibhauseffekts durch den Menschen. Dieser entsteht durch Änderung der Atmosphärenzusammensetzung. Durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und durch die weltumfassende Entwaldung wird Kohlendioxid (CO2) in der Luft angereichert.

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Gestern habe ich Berlin kennen gelernt. Unfreiwillig und mit dem Fahrrad. Und ich muss sagen: Berlin ist groß.

Der „Nach-Hause-Weg“ hätte zwischen 20 und 25 Minuten dauern müssen. MEIN „Überall-hin-nur-nicht-nach-Hause-Weg“ dauerte 90 Minuten, falls mein Zeitgefühl und meine „Uhr-Lese-Kompetenz“ mich nicht ebenfalls (s.u.) gänzlich im Stich ließen.

Aber ich habe Berlin, welchen Teil genau weiß ich bis jetzt noch nicht, kennen gelernt. Ich habe die Prinzen- und die Prinzessinnenstraße durchfahren. Ich habe Menschen singen hören. Ich habe Mütter gesehen, die mit ihren Kindern die Straße überquerten, obwohl das rote Ost-Ampelmännchen (Das war zwischenzeitlich immer wieder mein beruhigender Beweis, dass ich mich in Ostberlin, wo ich auch hingehörte, befand) leuchtete während ICH verweilte (Liebe Grüße an Herrn Grün in Bonn). Ich habe gelernt, dass die Fahrradwege teilweise etwas wirr im Straßenverlauf verlaufen und einige Schlaglöcher lauern. Ich habe meine Karte zerrissen, weil nur ein Irrer die gemalt haben kann. Ich habe die Straßenschilder verflucht, weil die mich genau in die entgegen gesetzte Richtung schicken wollten (was sich im Nachhinein als gar nicht mal so unschlau herausstellte). Und ich wurde bitter erschüttert:

Ich wurde zutiefst in meinem Glauben erschüttert Karten lesen zu können, einen gewissen Orientierungssinn zu haben und aufmerksam meine Umwelt wahrzunehmen. Keine dieser tollen Eigenschaften hat sich gestern auch nur für eine Sekunde gezeigt.

Ich weiß nicht, was schlimmer war: Die Tatsache 90 Minuten völlig orientierungslos in Berlin im Kreis gefahren zu sein und damit quasi „Der Verlust von Zeit“ oder die Erkenntnis jegliches Gefühl für Räumlichkeit verlieren zu können. Ich grüble weiter.

Über Glück. Zwei.

Februar 19, 2008

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Am 10.02. habe ich etwas über`s Glück geschrieben.

Am 19.02. sehe ich die Synonyme, die mir MS Word zu “Glück” gibt.

Ich bin erschüttert.