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Gestern habe ich Berlin kennen gelernt. Unfreiwillig und mit dem Fahrrad. Und ich muss sagen: Berlin ist groß.

Der „Nach-Hause-Weg“ hätte zwischen 20 und 25 Minuten dauern müssen. MEIN „Überall-hin-nur-nicht-nach-Hause-Weg“ dauerte 90 Minuten, falls mein Zeitgefühl und meine „Uhr-Lese-Kompetenz“ mich nicht ebenfalls (s.u.) gänzlich im Stich ließen.

Aber ich habe Berlin, welchen Teil genau weiß ich bis jetzt noch nicht, kennen gelernt. Ich habe die Prinzen- und die Prinzessinnenstraße durchfahren. Ich habe Menschen singen hören. Ich habe Mütter gesehen, die mit ihren Kindern die Straße überquerten, obwohl das rote Ost-Ampelmännchen (Das war zwischenzeitlich immer wieder mein beruhigender Beweis, dass ich mich in Ostberlin, wo ich auch hingehörte, befand) leuchtete während ICH verweilte (Liebe Grüße an Herrn Grün in Bonn). Ich habe gelernt, dass die Fahrradwege teilweise etwas wirr im Straßenverlauf verlaufen und einige Schlaglöcher lauern. Ich habe meine Karte zerrissen, weil nur ein Irrer die gemalt haben kann. Ich habe die Straßenschilder verflucht, weil die mich genau in die entgegen gesetzte Richtung schicken wollten (was sich im Nachhinein als gar nicht mal so unschlau herausstellte). Und ich wurde bitter erschüttert:

Ich wurde zutiefst in meinem Glauben erschüttert Karten lesen zu können, einen gewissen Orientierungssinn zu haben und aufmerksam meine Umwelt wahrzunehmen. Keine dieser tollen Eigenschaften hat sich gestern auch nur für eine Sekunde gezeigt.

Ich weiß nicht, was schlimmer war: Die Tatsache 90 Minuten völlig orientierungslos in Berlin im Kreis gefahren zu sein und damit quasi „Der Verlust von Zeit“ oder die Erkenntnis jegliches Gefühl für Räumlichkeit verlieren zu können. Ich grüble weiter.

4 Antworten zu “In die falsche Richtung. Nach Gefühl.”

  1. Arno Nühm sagte:

    Herr Grün ist traurig. Er wäre gerne Ampelmännchen geworden. Aber die geforderte Flexibilität (mal rot, mal grün) war eine zu große Hürde…

  2. Schlotty sagte:

    Liebste Alina, ich denke es ist schlimmer, das Gefühl für Räumlichkeit zu verlieren, als ein bisschen Zeit. Übrigens hast du die Zeit ja auch gar nicht verloren. Du hast sie gebraucht, um zu wichtigen Erkenntnissen zu kommen, wie z.B.: dass du das Gefühl für Räumlichkeit verloren hast ;-D
    Allerdings kann ich dich aus eigener Erfahrung beruhigend vergewissern: Nur weil man (frau) einmal mit dem Fahrrad ungewollt nicht den direktesten Weg nach Hause nimmt, so heißt das noch lange nicht, dass man (frau) generell und für immer das Gefühl für Räumlichkeit verloren hat.
    Tatsächlich hast du nur die Herausforderung angenommen, die dir die Stadt geboten hatte.

  3. an Indian friend sagte:

    Alina, das ist Berlin. Und nach deinen Beschreibungen bist du zwischen Kreuzberg und Mitte herumgeirrt. Und die Ost-Ampelmännchen gibt es auch im Westen. Und warum hast du niemanden gefragt nach dem Weg?

    Und viele Grüße!

  4. Kira sagte:

    Da ich ja jetzt Berlin auch endlich mal besucht habe, kann ich dich absolut verstehen. Diese Stadt ist soooo groß, jedenfalls wenn man aus dem kleinen Bonn kommt. Hatte leider echt keine Zeit, sonst hätten wir uns mal treffen können, und wären gemeinsam durch die Stadt geirrt…;-)Liebste Grüße

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