Archiv: Bolivien und Peru. Sommer 2007.
Februar 27, 2008
Die landschaftlichen Höhepunkte sind sicherlich das erste, was dem Außenstehen zu Bolivien und Peru einfällt: Die Uyuni-Wüste im Süden Boliviens ist von schlichter, aber unvergleichlicher Schönheit, wenige Minuten im Regenwald erklären den Kampf um dessen Erhalt und der Anblick von Machu Picchu raubt den Atem und man fühlt sich mitgerissen von dieser unbeschreiblichen Stimmung und überwältigenden Erhabenheit.
Bolivien ist ein Land der Kontraste: Ein Land der Armut und des Reichtums, der Wüste und des Regenwalds, ein Land der Farben und der Farblosigkeit, ein Land des Lachens und des Weinens. Nicht selten wird Bolivien als der „geheime Schatz“ Südamerikas bezeichnet. Zu Recht.
Bolivien wird weniger bereist als Peru und das macht es so bezaubernd. Die Menschen strahlen eine wohltuende Ruhe und eine unvergleichliche Authentizität aus. Sie schenken dir ihr zahnloses Lächeln, neugierige Blicke und das besondere Gefühl willkommen zu sein.
Sie lieben Süßigkeiten und grelle Farben. Alle tragen Mützen, Kappen oder Hüte und fahren Toyota. Wenn du ihnen etwas erklärst, wiederholen sie alles noch mal um sicher zu gehen es richtig verstanden zu haben.
Die Kinder klagen nicht. Sie sitzen 7 Stunden im Bus auf dem Boden und sie klagen nicht. Sie verkaufen den ganzen Tag Süßigkeiten in einem 2 m² kleinen Stand und sie klagen nicht. Sie laufen kilometerweit zur Schule und sie klagen nicht.
Ja, für mich sind es die Einwohner, die das Land prägen und ihm diesen besonderen Charme geben, die die Erinnerung bestimmen und im Herzen bleiben, auch wenn dieses Bild ein einseitiges ist:
Noch nie hatte ich in vier Wochen so viele Krankheiten, noch nie so schreckliche Busfahrten und noch nie habe ich so gefroren. Ich habe mich selten so geekelt wie bei dem Anblick von toten Lamababies, die als Glückbringer gelten. Warmes Wasser, saubere Toiletten und frisches Brot werden zum Luxus und ich sehnte mich nach 1000 alltäglichen Dingen, die hier, in Deutschland, Selbstverständlich-keit sind.
Aber ich hatte das Gefühl Kultur einatmen zu können, weil die Menschen es zulassen, weil sie dich teilhaben lassen, weil sie sich nicht stören lassen, besonders aber weil ich mich darauf eingelassen habe. Ich habe alles „aufgesaugt“ und hatte das Gefühl nicht genug davon zu bekommen: Die Sprache, die Menschen, die Landschaften, die Geschichte, die Ruhe und die Hektik, die Nähe und die Distanz. Natürlich weiß ich nach einem Monat fast nichts über die tiefe Seele der Bevölkerung. Aber ich durfte sie kennen lernen.
Ich habe die schönsten Sonnenauf- und Untergänge gesehen, eine Gastfreundschaft erlebt, die natürlicher ist als alle zuvor erlebten und viel gelernt. Über Kultur, über das Leben, über die Welt. Über Anspruch und Luxus. Aber am meisten habe ich über mich selbst gelernt.














Februar 28, 2008 um 12:09 Uhr nachmittags
wunderbare Eindrücke, so tolle Fotos - die habe ich ja nie gesehen;
wir müssen sprechen …..
Ma
Februar 28, 2008 um 2:29 Uhr nachmittags
I love your photos!
Und ich freue mich auf LA, vielleicht kann ich nachempfinden, was du schreibst. Zwischen Chile und Peru/Bolivien kann ja nicht sooooooooo ein riesiger Unterschied liegen.