Zum Weinen.

Februar 19, 2008

Dam Dam. Dam Dam.

Februar 19, 2008

dsc_0365n.jpg

Es ist einer dieser Momente an dem es jeden Moment zu schneien beginnen könnte. Es ist kalt und windig. Die Menschen wollen nach Hause. Das sieht man. In ihren Gesichtern. An ihrem Gang. Auf der Uhr. Ich bin mitten drin und hetze die Treppe hoch. Ich will die S-Bahn bekommen. Die nächste käme 5 Minuten später. Ich überhole einen mittelgroßen Mann mit einer Gitarre und einer Wollmütze. Mist, die Bahn ist gerade gefahren. Vier Minuten warten. Ich drehe mich um: Der Mann mit Gitarre schmeißt eine Zeitung vor sich, nimmt die Gitarre in die Hand und beginnt zu spielen und zu singen „Weine nicht, wenn der Regen fällt Dam Dam, Dam Dam. Es gibt einen der zu Dir hält. Dam Dam, Dam Dam. Marmor, Stein und Eisen bricht aber unsere Liebe nicht alles, alles geht vorbei doch wir sind uns treu.

Und er singt mit einer zarten, zerbrechlichen Stimme. Er singt nicht besonders schön, aber einmalig. Es ist kalt, dieser Mensch scheint der einsamste Mensch dieser Welt, aber er singt „Es gibt einen der zu dir hält“. Einmalig. Berlin.

cimg0370h.jpg

Lieber Berliner Senat, liebe BVG,

ich bin entsetzt: Heute wollte ich mir ein Monatsticket für das Berliner Verkehrsnetz kaufen. Im Internet hatte ich mich über die Möglichkeiten und Tarife erkundigt und freute mich diese Bestimmung zu finden. (Wobei es mich nicht sonderlich überraschte, dass ich als Studentin Vergünstigungen erwarten konnte):

Monatskarte für Auszubildende und Schüler

[...]

“4. Praktikanten und Volontäre

  • sofern die Ableistung eines Praktikums oder Volontariats nach den für Ausbildung und Studium geltenden Bestimmungen vorgesehen ist”

http://www.bvg.de/index.php/de/Bvg/Detail/folder/580/rewindaction/Index/id/2067/name/Monatskarte+f%FCr+Auszubildende+und+Sch%FCler

[...]

Das würde konkret bedeuten, dass ich statt 70€ nur 50,50 € pro Monat bezahlen müsste. Folgende Bestimmung in meiner Prüfungsordnung sollte mir dazu verhelfen dieses Angebot nutzen zu können:

“Im Laufe des Studiums, das heißt bis zur Magisterprüfung, muss von Studierenden im Hauptfach ein mindestens 12-wöchiges Praktikum im Medienbereich absolviert werden.” (http://www.ikp.uni-bonn.de/ZfKM/newzfkm/studium/studienplan.html#praktikum)

Einen schriftlichen Nachweis hätte mir Frau Ogon geschrieben. Kein Problem.

Doch es kommt anders: Ich werde keinen Nachweis brauchen. Nicht, weil die Sparfüchse-der-Freundlichkeit-Mitarbeiter der BVG mir auch ohne Nachweis die “Schülerkarte” ausstellen wollten, sondern weil ich keine Schülerkarte bekomme. Und warum nicht? Weil ich nur 2 Monate und nicht etwas 6 Monate hier bin. Ich hätte ja schließlich auch mal “ordentlich lesen sollen.” Nun ja, diese Eigenschaft scheint mir während der 48 Stunden in Berlin wohl abhanden gekommen zu sein. Denn im Satz oben steht offensichtlich eindeutig, dass ich 6 Monate hier sein muss, weil ich nur dann “ein Wirtschaftsfaktor” für Berlin sei.

Meine zugegebenermaßen bescheidenen mathematischen und volkswirtschaftlichen Fähigkeiten scheinen mir ebenfalls abhanden gekommen zu sein: Ich kann mich nämlich an kein Modell erinnern, das besagt, dass Wirtschaftlichkeit exponentiell mit der Zeit ansteigt. Intuitiv würde ich sogar das Gegenteil behaupten.

Ich bin übrigens auch kein “zusätzlicher” Wirtschaftsfaktor, da ich zur Zwischenmiete wohne und quasi lediglich “Ersatz” darstelle.

Wie auch immer man meine erhöhte, exponentielle oder allgemeine Wirtschaftlichkeit einschätzen mag, ist es doch eine traurige Feststellung, dass ich zum Wirtschaftsfaktor degradiert werde und es dann noch nicht einmal über die erste Hürde schaffe.

Ich habe mir kein Monatsticket gekauft. Als Studentin bekomme ich keinerlei Ermäßigung. Außerdem rechnet sich bei 2,10€ pro Fahrt das Ticket kaum noch.

Lieber Berliner Senat, liebe BVG, ob das so sein sollte, stelle ich in Frage.

Zitat der Woche.

Februar 17, 2008

imgp3476j.jpg

(Für C., N., V., A. (ab April) und A.)

“Neue Welten zu entdecken wird dir nicht nur Glück und Erkenntnis, sondern auch Angst und Kummer bringen. Wie willst du das Glück wertschätzen wenn du nicht weißt was Kummer ist? Wie willst du Erkenntnis gewinnen, wenn du dich deinen Ängsten nicht stellst…?

Letztlich liegt die große Herausforderung des Lebens darin, die Grenzen in dir selbst zu überwinden und so weit zu gehen wie du dir niemals hättest träumen lassen.”

Sergio Bambaren “Der träumende Delphin”

 

Berlin. Zwei.

Februar 16, 2008

cimg0318j.jpg

Ich weiß nicht, warum es jetzt anders ist, aber: Ich kann atmen in Berlin.

So sehr mich diese Stadt bisher auch faszinierte, so sehr erdrückte sie mich doch immer wieder mit ihrer einzigartigen Geschichte. Mit den Denkmälern, die zweifellos gut und richtig sind, mit ihren Mahnungen an den Straßenrändern und -ecken.

Vielleicht ist es weil ich diesmal nicht nur “Tage-Gast” bin, weil Berlin für einige Wochen “meine” Stadt sein wird. Nicht nur für einige Tage. Wie sonst immer.

Oder ist es weil ich mich daran “gewöhnt” habe? Ich fahre am Holocaust Mahnmal am Brandenburger Tor vorbei und frage ich ob dieses Denkmal nun ästhetisch gelungen ist oder nicht. Ich sehe die stehengelassenen Reste der Mauer und betrachte die “Kunstwerke” darauf, statt mir “Die Mauer” anzusehen. Ich gehe am Checkpoint Charlie vorbei und denke an den Film “Die Frau vom Checkpoint Charlie” statt die greifbare Symbolik auf mich wirken zu lassen.

Habe ich mich schon daran gewöhnt? Darf ich das zulassen? Verlieren Denk- und Mahnmale nicht genau dann ihre Bedeutung und Wirkung? Oder ist besonders das “unbewusste” Sehen, Erinnern und Mahnen das, was sich in unser Gedächtnis frisst und unwiderruflich haften bleibt?

Es ist viel zu früh schon all die Eindrücke zu verarbeiten und zu bewerten.

Nun werde ich mich erst einmal einleben in diese Stadt, ich werde mich von ihr umwerfen und wieder auffangen lassen. Ich werde mich wohl an die bescheidene Freundlichkeit gewöhnen und langsam verstehen lernen, warum Berlin -auch isoliert von der Historie betrachtet- so einzigartig ist.

Berlin.

Februar 15, 2008

cimg0319jj.jpg

Der Name des Blogs erhält nun endlich seine Berechtigung: Ich bin in Berlin.

Schön.

Februar 13, 2008

Ein paar kleine Bitten.

Februar 13, 2008

imgp2417v.jpg

Singt beim Fahrradfahren.

Schaltet “Stand-by” und das Licht aus.

Geht spazieren.

Sagt “gewinkt” nicht gewunken.

Hört laut Musik.

Zündet Kerzen an.

Spielt Pantomine.

Nehmt keinen Theaterkurs wenn ihr keine Lust auf Theaterspielen habt.

Schreibt Briefe. Verschickt Päckchen.

Lest Zeitung.

Ärgert euch nicht darüber in der falschen Schlange zu stehen.

Hört auf zu Rauchen.

Besucht eure Eltern.

Freut euch über die kleinen Dinge des Lebens.

Gönnt euch Freizeit.

Ruft Freunde an und sagt ihnen, dass sie wichtig für euch sind.

Macht euch bewusst wie gut es euch geht.

Engagiert euch.

Lebt.

Was ich euch wünsche.

Februar 13, 2008

Ich wünsche euch, dass ihr dieses Lied laut aufdreht, dass ihr singt und an uns denkt.

Das wünsche ich mir. Das wünsche ich euch.

Platzangst im Kopf.

Februar 10, 2008

dsc_0503j.jpg

Immer wieder, meist unangekündigt, kommt dieses Gefühl im Kopf. Zu viele Informationen, zu viele Eindrücke, zu viele Menschen. Und die Kapazität all’ diese Impressionen zu verarbeiten, sinkt…

Wie schaffe ich es also entweder die Kapazität zu erweitern oder aber den Informationsüberfluss zu beschränken? Letzteres wird in unserer Gesellschaft wohl kontinuierlich unmöglicher. Eine Welt, die von Informationen mehr als von Brot und Wasser lebt, wird mich zweifellos nie verschonen. Mein Gehirn muss es schaffen zu selektieren, zu differenzieren und sich auf’s Wesentliche zu konzentrieren.

Normale Gehirne haben ein scheinbar gut funktionierendes „Filtersystem“. Dinge, die individuell als unbedeutend gelten, werden ausgeblendet. Quasi übersehen. Manchmal glaube ich, dass dieses Super-Filter-System bei mir nicht sonderlich ausgeprägt ist. Mein Zwischenhirn* versagt regelmäßig und scheint im Allgemeinen hoffnungslos überfordert.

Doch welche Erwartungen, außer der der besseren Selektion, stelle ich noch an mein Gehirn?

Der Soziologe Talcott Parsons bestimmt Sozialisation als den „Prozess, durch den die Individuen die Dispositionen erwerben, die erforderlich sind, um die in der Gesellschaft vorgegebenen Rollen als Akteure spielen zu können.“

Damit steigen die Erwartungen an mein Gehirn gänzlich in`s Unermessliche: Mein Gehirn soll antizipieren, analysieren und reagieren. Ich erwarte die perfekten Informationen für jede Rolle, die ich spielen muss. Das klingt ja alles ganz überschaubar…

Und so sehr ich daher Parsons und der Idee der Systeme Recht geben mag, denn scheinen in seiner Vorstellung wenigstens klare Erwartungen an unsere Gehirne zu existieren, muss ich mich fragen, welche Rolle das Unterbewusstsein spielt, denn das Verhältnis zwischen Bewusstsein und dem Unbewussten muss eine größere Rolle spielen, als sie es bei Parsons tut. Ob ich so weit wie Sigmund Freud gehen will, überdenke ich noch einmal, aber ich möchte C.G. Jung zitieren: „Das Bewusstsein des modernen Menschen hat sich weit von der Tatsache des Unbewussten entfernt. Man hat sogar vergessen, dass die Psyche keineswegs unsere Absicht, sondern größtenteils autonom und unbewusst ist. Daher veranlasst beim Kulturmenschen die Annäherung des Unbewussten einen panischen Schrecken, nicht zum geringsten Teil wegen der bedrohlichen Analogie mit Geistesstörung. [...] Das Unbewusste geschehen zu lassen und es erleben wie die Wirklichkeit, das übersteigt Mut sowohl wie Können des Mitteleurpäers. Er zieht es vor, dieses Problem einfach nicht zu verstehen. Für die Schwachen im Geiste ist das auch besser so; denn dieses Ding ist nicht ungefährlich.“

Da ich mich natürlich als durchaus stark bezeichne, halte ich es für erforderlich das Unbewusste geschehen zu lassen, denn es ist der Rest des uralten Menschtums, von aller Differenzierung und Fortentwicklung zurückgelassenes Gemeingut, das allen Menschen geschenkt ist. Bei all` der Konzentration auf’s Detail möchte ich das Gefühl für das Umfassende und den allgemeinen Zusammenhang behalten. Meine individuelle Selbstverwirklichung kann nur stattfinden, wenn sie aus der egozentrischen Welt hinaus gerissen und in größere Zusammenhänge gebracht wird.


*Das Zwischenhirn filtriert den Informationsfluss von den Sinnesorganen zum Großhirn. Unwichtiges wird nicht weitergemeldet. Damit schützt es das Gehirn vor Überlastung