Entschuldigt, aber…

September 24, 2008

… die Auswahl viel schon schwer genug und hier sind sie: Die Top „3″ (mit Augen zu) von: Alina mitten in der Toscana Part l


DER ANDERE: “ [...] Früher gab es Zeiten, wo die Zeitungsleser abends in Kapstadt unter ihren grünem Lampenschirmen tief aufzeufzten, wenn sie lasen, dass in Alaska zwei Mädchen im Eis erfroren waren. Früher war es doch so, dass sie in Hamburg nicht einschlafen konnten, weil man in Boston ein Kind entführt hatte. Früher konnte es wohl vorkommen, dass sie in San Franzisko trauerten, wenn bei Paris ein Ballonfahrer abgestürtzt war.“

BECKMANN: „Früher, früher, früher! Wann war das? Vor zehntausend Jahren? Heute tun es nur noch Totenlisten mit sechs Nullen. Aber die Menschen seufzen nicht mehr unter ihren Lampen, sie schlafen ruhig und tief, wenn sie noch ein Bett haben. Sie sehen stumm und randvoll mit Leid aneinander vorbei: wohlwangig, hart, bitter, verkrümmt, einsam. Sie werden mit Zahlen gefüttert, die sie kaum aussprechen können, weil sie so lang sind. Und die Zahlen bedeuten -“

DER ANDERE: „Hör nicht hin, Beckmann.“

——

BECKMANN: „[...] Nein, die Menschen sind nicht gut. Nur verschieden sind sie, ganz außerordentlich voneinander verschieden.“

DER ANDERE: „Die Menschen sind gut. Sie sind nur ahnungslos. Immer sind sie ahnungslos. Aber ihr Herz. Sieh in ihr Herz – ihr Herz ist gut. Nur das Leben lässt es nicht zu, dass sie ihr Herz zeigen. Glaube doch. Im Grunde sind sie alle gut.“

BECKMANN: „Natürlich. Im Grunde. Aber der Grund ist meistens so tief, du. So unbegreiflich tief. Ja, im Grunde sind sie gut – nur verschieden eben. Einer ist weiß und der andere grau. Einer hat ‘ne Unterhose, der andere nicht. Und der graue ohne Unterhose, das bin ich. Pech gehabt, Wasserleiche Beckmann, Unteroffizier a.D., Mitmensch a. D.“

DER ANDERE: „Du träumst, Beckmann, steh auf. [...]„

Auszüge aus „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert.

In Piazza del Campo.

September 22, 2008

Nachtrag: Weltkindertag

September 21, 2008

Dass wir wieder werden wie die Kinder, ist eine unerfüllbare Forderung. Aber wir können zu verhüten suchen, dass die Kinder werden wie wir.

Erich Kästner (1899-1974)

Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.

Sokrates (um 470 – 399 v.Chr.)

Die Kinder finden im Nichts das Gesamte, die Erwachsenen im Gesamten das Nichts.

Giacomo Leopardi (1798-1837)

Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.

Albert Einstein (1879-1955)

Kinder müssen mit Erwachsenen sehr viel Nachsicht haben.

Antoine de Saint-Exupéry (1900-44)

Denn wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen.

Goethe

Man erstickt den Verstand der Kinder unter einem Ballast unnützer Kenntnisse.

Voltaire

Tradition ist die Methode, die verhindern will, daß Kinder ihre Eltern übertreffen.

Ephraim Kishon

Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie ihnen selbst anerzogen haben.

Maria von Ebner-Eschenbach

Sollen wir Kinder erziehen, so müssen wir auch Kinder mit ihnen werden.

Martin Luther

(Die Fotos habe ich in Canada auf einem Touri-Schiff gemacht, das etwas an eine „Arche Noah für Menschen“ erinnerte)

Italienische Eindrücke.

September 21, 2008

Meine Jungs (meine Mitbewohner) trennen jetzt den Müll. Ich glaube ich konnte ihnen ein schlechtes Gewissen mit meinen Sätzen, die üblicherweise mit „In Germania…“ beginnen, machen. Seitdem wir nun also offiziell den Müll trennen, wird die genaue Vorgehensweise der neu erlernten Mülltrennung allerdings bei jeder Gelegenheit diskutiert. Wo in der Küche wird jetzt welcher Müll aufbewahrt? Wo stehen überhaupt die Container für Glas? Gehören Plastik und Glas nicht doch in einer Tüte? Sollte der Pizza-Karton nicht möglichst klein gefaltet werden, damit er weniger Platz einnimmt oder ist der Urzustand eines gewöhnlichen Pizza-Kartons doch der geeignetste? Heftige Debatten werden durch diese Fragen ausgelöst. Sie haben mich allerdings vorgewarnt. Vor einem Jahr wollten sie die Kunst der Mülltrennung schon einmal ausführen. Nach 1,5 Tagen hatten sie diese künstlerische Entfaltung allerdings aufgegeben.

Heute ist der 3. Spieltag der Seria A (quasi 1. Bundesliga). Aus allen Häusern und Appartements hört man Männer fluchen und jubeln und debattieren und schimpfen und lachen.

Auch wir schauen. Bei unserem Sender (Pay-TV) kann man zwischen 3 Kommentatoren auswählen: Einer kommentiert (so zumindest versprochen) neutral (ich bezweifle, dass das im italienischen Fußball überhaupt möglich ist), die anderen beiden jeweils für eine der beiden spielenden Mannschaften. Meine Jungs switchen ständig zwischen den beiden letzteren hin-und-her, nicht ohne sich jedes Mal darüber aufzuregen, dass der eine ständig Partei für seine Mannschaft, der andere für die andere Mannschaft ergreift. Ich muss schmunzeln.

Beim Mittagessen werden Plastikteller ausgepackt. Erstaunt frage ich „Warum Plastik?“. „Mir gefällt das auch nicht“, sagt einer der Jungs: „Es schmeckt einfach besser aus Porzellan-Teller.“ Tja, ich glaube es gibt noch mehr zu tun als von Mülltrennung zu überzeugen. Ich werde über meine Er- und Misserfolge berichten.


Ich wünschte ihr könntet es sehen. Die Einwohner eines Stadtteils bereiten ein Fest vor. Die Männer bringen die Beleuchtung an. Lauthals diskutieren sie die Farbenabfolge. „Rosa-blu-rosa“, „No, blu-blu-rosa“. Noch drei Straßen weiter höre ich sie lamentieren. Am Ende wird es perfekt sein. Perfekt italienisch eben.

Die Frauen bemalen die Dekorationsstücke: Pappfiguren, Tore aus Holz, Tische. Alles in den Farben der Contrade (Stadtteil) Istrice (Stachelschwein). An jeder Häuserwand hängt die Flagge der Contrade. Die Menschen tragen das passende Halstuch, dass ebenfalls die Contradenfarben trägt.

Ihre Beschäftigung und Konzentration hält niemanden davon ab mich zu grüßen, mich anzulächeln. Selbst das Beleuchtungskommando hatte die Diskussion kurz eingestellt um mich zu grüßen.

Meine Stimmung droht zu kippen als ich eine Parallelität zu Karneval entdecke: Verkleidete Frauen kommen mir mit großen Schritten entgegen. Doch auch ihre Verkleidung symbolisiert die Zugehörigkeit zur Contrade Istrice und gehört damit zu ihrer Identität, wohl anders als das in der Regel jährlich wechselnde Karnevalskostüm. Ich bin erleichtert. Auch wenn das „Neue“ nicht die „Skepsis“ verhindern sollte.

Die Touristen fotografieren eifrig das Spektakel, allerdings ignoriert (und dadurch –so scheint es- etwas verwundert) von den Italienern. Ich glaube ich habe auch das inzwischen verstanden: Die Touristen gehören zu dieser Stadt. Sie sind ständig wechselndes Inventar und doch immer die gleichen.

Video und Worte des Monats.

September 19, 2008

Manche Menschen wissen nicht,

wie wichtig es ist, dass sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht,

wie gut es ist, sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,

wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht ,

wie wohltuend ihre Nähe ist.

Manchen Menschen wissen nicht,

wieviel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,

dass sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüssten es, würden wir es Ihnen sagen.

Clemens Kunze

Das hier geht an alle, die mir ihre Liebe gaben.
Es war schön ein Stück davon gehabt zu haben.
Das geht raus an alle Leute, die ich geliebt.
Es ist schön, dass es euch gibt, ja.

Thomas D.

Verwunderungsunfähig.

September 17, 2008

Ich bin in Kenya und ich bin fremd. Ich bin in Südamerika und ich bin fremd. Ich bin in den USA und ich bin fremd. Das „Fremdsein“ macht das Schreiben möglich, vielleicht auch das Beurteilen, sicherlich aber das Unterscheiden.

Das „andere“ ist neu und das „neue“ ist anders und ich werde mir der eigenen Kultur bewusst.

Jetzt bin ich hier und habe nicht den „deutschen“ Blick, ich habe den heimischen, möglicherweise den europäischen Blick. Ich fühle mich unfähig Besonderheiten zu nennen, weil es „in mir“ ist.

Genauso wie ein Nicht-Deutscher viel eher dazu fähig ist, „typisch deutsche“ Eigenschaften oder Produkte aufzuzählen als der Deutsche, zumindest als ich, fühle ich mich hier „verwunderungsunfähig“.

Das Alltägliche, das Gewöhnliche muss im Bewusstsein nicht mehr assimiliert werden und wird daher quasi übersehen. Und dann unterhalte ich mich mit einer Amerikanerin, begeistert zählt sie die Besonderheiten Europas auf und ich werde fast traurig darüber, dass ich diese Begeisterungsfähigkeit (also jene für Europa, für Italien) nie auf solch wunderbar kindliche Weise empfinden werden kann.

September 17, 2008