Träume leben. Sie beleben. Sie verleben…

April 5, 2011

Immer diese Träume, von denen alle sprechen. Als ob man nur ein ganzer Mensch, ein ganz anständiger Mensch, ein ständig ganzer Mensch wäre, wenn man ihn hat: Einen Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt.

Kämpfen! Wer will denn heute überhaupt noch kämpfen? Wer kann denn heute überhaupt noch kämpfen? Fürchten wir nicht allzu sehr das Risiko und das eine große Ziel, dieses Tunnelblick-Ziel, dessen Erreichen, trotz aller Wunden und Verluste, stets vor unseren Augen bliebe? Meist locken uns doch die Wege der geringsten Widerstände weg von den großen Schlachten. Und so haben wir ja nicht einmal gelernt, was Scheitern heißt. Das erschwert die ganze Kämpferei.

Nun gut, gesetzt den Fall, wir trauten uns zu kämpfen. Dann also bitte für eine große Sache. Für eine wichtige Sache, die das Leben leichter, schöner, friedlicher, gerechter, eben besser machte. Auf der Suche dann nach einer hübschen Moral oder einem lieblichen Ideal, das wir irgendwann glaubten gefunden zu haben, aber wären wir doch allzu leicht verführbar. Schnell würden wir zu Fremdgängern unsere Ideale. Zumindest aber würden wir schnell kampfesmüde. Zu viele Steine, zu viele Widersacher, womöglich zu viele Mitkämpfer, die das eigene Engagement so vermeintlich zu relativieren vermögen. Das erschwert die Kämpferei für die große Sache.

Also könnten wir uns bescheidene Träume suchen, denn Bescheidenheit möchten wir uns doch so gerne zuschreiben. Also Träume ohne Furore, ohne das Weltverbesserungsideal, ohne langwierige Kämpfe und große Steine. Schnell würden wir merken, dass bescheidenen Träumen Glanz und Magie fehlen und wir nicht einmal gelernt hatten, was Bescheidenheit bedeutet. Nie  mussten wir uns nie in ihr üben. Das erschwert selbst die bescheidene Träumerei.

Die traurige aber logisch Folge: Wir fürchten wir uns vor der ehrlichen Antwort auf die Frage nach unseren Träumen. Mehr noch: Wir fürchten uns allzu sehr vor unseren Träumen selbst. Was, wenn sie wahr würden und dieses Gefühl gar nicht einsetzte: Dieses „mein-Traum-ist-wahr-geworden“-Glücksgefühl; dieses alles übertreffende, unvergleichbare und unser Leben erfüllendes Gefühl. So besteht immer das unvermeidliche Risiko im Besitz eines Traums zu sein, dessen Erfüllung eine uns unbekannte und vielleicht ungewollte Emotion brächte, vielleicht nur die Suche nach einem nächsten Traum, vielleicht nur eine augenblickliche Befriedigung, vielleicht die traurige Melancholie des Endlichen, vielleicht sogar die Frage nach den Opfern, die der Traum auf dem Weg zu seiner Erfüllung brachte: Vielleicht wollten wir einen Regenbogen sehen, doch litten unter dem Regen. Vielleicht flehten wir nach Authentizität, doch konnten die Wahrheit nicht ertragen. Vielleicht sehnten wir uns nach Freiheit, doch fürchteten wir die Verantwortung. Vielleicht suchten wir nach bedingungsloser Liebe, doch waren wir nicht in der Lage sie zu halten. Vielleicht wollten wir träumen, doch verloren wir die Sterne.

4 Antworten zu “Träume leben. Sie beleben. Sie verleben…”

  1. Cha sagte

    (S)Einen Traum, ob groß oder klein, man kann ihn nicht planen. Man kann ihn nur leben. Im Jetzt, im Moment.
    Doch wenn man ihn sich vorstellt, wie er in der Realisation sich ausgestalten könnte, so sollte er doch groß sein. Und man sollte nicht bescheiden sein im Designen des Traums, sondern im Finden der eigenen Rolle darin. Einen kleinen Beitrag zum großen Traum beitragen – das finde ich erstrebenswert.

  2. NixZen sagte

    Ich bin mir nicht sicher ob ich es “Träume” nennen würde. Vielleicht sind es Ziele oder Kapitel.
    Für mich ist so ein Leben wie ein Buch, welches man sich selbst vorließt. Oft spannend. Manchmal höre ich mir selbst nicht richtig zu und viel zu oft überlese ich Stellen. Viele Seite ließt man doppelt und dreifach bis man sie versteht. Träume, Liebe, Ideale, Kampf und Gelassenheit, es kommt alles drin vor. Auch das Ende werde ich mir selbst vorlesen müssen. Welche Art von Buch ich lese entscheide ich selbst.Ich lese gerne vor:-)

  3. ma sagte

    dabei sind sie unter unter uns, die, die für ihren und den Traum anderer kämpfen, von uns bemerkt und oft auch unbemerkt!

    Gerade in diesen Tagen und Wochen kämpfen ganze Völker für ihre Träume ohne Rücksicht auf das eigene Leben!

    Also, nicht ganz so pessemistisch!

  4. Traum. Oder vielleicht Motivation: etwas angehen, verfolgen, bewegen, verändern oder stabilisieren zu wollen. Nur für sich selbst vielleicht.
    Wer das nicht mehr schafft (warum auch immer) und in sich nicht spürt, wird sich in unserer Gesellschaft immer am Rand befinden. Gerade jetzt.

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