Wer macht denn so was?

März 18, 2008

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Eine fürchterliche Nachricht erreichte mich heute aus meiner lieben Stadt Bonn: Mein Fahrrad wurde geklaut!!! Ich bin zutiefst erschüttert. Wer klaut denn bitte mein Fahrrad? Es ist doch unverkennbar, dass es mein Fahrrad ist: Auf dem Schutzblech steht in Glitzersteinchen “ALINA”, die Namen der zauberhaften Schenkerinnen stehen liebvoll in weiß gepinselt auf dem Rahmen. Der Sattel ist mit “wunderherrlich” (Insider ;-)) beschriftet und sowieso hat dieses Fahrrad jegliche Individualität durch mich erlangt: Es wurde schon dreimal vom Polizisten Grün (so heißt er wirklich) angehalten, es wurde von meiner Mama und mir über den Weihnachtsmarkt getragen (Ich hatte den Schlüssel vergessen und konnte es nicht aufschließen.), es hat sich mit mir schon auf die Schnauze gelegt und schon Aldieinkäufe im Wert von 30 € nach Hause gebracht. Es hat mich schon hunderte Kilometer durch Bonn gefahren und mir dabei jegliche Missachtung der Verkehrsordnung verziehen. Der Lenker ist schief und der Korb ist mit einem Zahlenschloss befestigt, dessen Code ich selber nicht erkenne. Die Klingel ist nicht mehr richtig fest und rutscht immer nach unten. Es ist augenscheinlich: Das war mein, und nur mein, Fahrrad!!

Und jetzt ist es weg!!! Wer auch immer es nun besitzt…

… ich werde um mein Fahrrad kämpfen!!!

Wahlweise gestatte ich es auch, es einfach wieder vor den A……ring 5 in Bonn zu stellen. So könnten sich beide Parteien den Kampf ersparen. Quasi eine Win-Win-Situation. Danke.

Halbzeit.

März 18, 2008

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Ich bin jetzt seit vier Wochen in Berlin. Damit beginnt nun die zweite Halbzeit. Zeit ein Resumé zu ziehen:

Ich beschränke mich auf die Dinge, die außergewöhnlich, neu oder einmalig in meinem Leben hier sind:

Ich höre Radio.

Ich habe dreimal einen Platten am Fahrrad eigenhändig repariert.

Ich habe gebacken.

Ich bin durch einen Schneesturm gefahren.

Ich halte an roten Ampeln. Manchmal.

Ich lerne nette Berliner kennen. Viele nette Berliner.

Ich brauche Stadtpläne, um mich zurecht zu finden, um sie dann aber zu zerreißen, um mein Missachten derer zu bekunden.

Ich habe einen männlichen Mitbewohner.

Ich muss meine Nicht-Raucher-Argumente neu überdenken.

Ich fahre Fahrrad ohne ein Ziel zu haben.

Ich erlebe wie (m)ein Zimmer in 45 Minuten zu einem erstklassigen Partyraum umfunktioniert wird.

Ich lerne Menschen kennen, die in der DDR ihre Kindheit verbracht haben.

Sooo… das soll`s erst einmal gewesen sein, zur Halbzeit. Ich freue mich auf eine spannende zweite Hälfte.

Fotos.

März 13, 2008

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Mal wieder ein Beweis für die Berliner Grafiti-Kunst.

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Dieser Anblick ließ mich schaudern. Ein Container voller Bücher. Es müssen hunderte gewesen sein. Ist das nicht traurig? Wie fällt die Entscheidung ein Buch wegzuwerfen? Veraltet? Gelesen? Schlecht? Es gibt wahrscheinlich viele Gründe, dennoch will ich das nicht sehen. Ich hoffe nur, sollte ich jemals die Chance bekommen ein Buch zu schreiben, niemals in einem solchen Countainer zu landen.

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Berlin nach dem Regen und kurz vor dem Regen.

Berlin. Berlin.

März 10, 2008

heute möchte ich euch etwas über Berlin erzählen, vielmehr mitteilen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir viel zu wenig wissen über unsere Hauptstadt. Das ist schade. Meine Liste hat weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf außerordentliche Relevanz. Es sind einfach ein paar wild zusammen gewürfelte Fakten:

Berlin hat 3,4 Millionen Einwohner.

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Im Wintersemester 2006/2007 waren 105.000 Studierende an den 4 Berliner Unis eingeschrieben.

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Berlin ist die zweitgrößte Stadt der EU (London ist die Größte).

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Berlin ist seit 1990 Hauptstadt. 1999 fand der Umzug statt.

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Berlins Schulden beliefen sich 2007 auf 61 Mrd. €.

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59 % der Berliner sind konfessionslos.

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Jeder 6. Berliner lebt von Hart IV.

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An der Berliner Mauer starben zwischen 86* und 238 Menschen.

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7,1 Millionen Touristen besuchten Berlin 2006.

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Es gibt 3 Flughäfen in Berlin.

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Und? Hättet ihr das alles gewusst?

Übrigens: L. sagt: “Spandau ist am Schönsten.” R. sagt: “Spandau liegt in Brandenburg.” T, sagt: “Nein.” R. sagt: “Aber T. sagt das nur, weil sie aus Ramsdorf kommt und das auch in Brandenburg liegt.” T. sagt: “Das sagt R, nur, weil Biesdorf 5 km weiter von der Stadt weg liegt als Ramsdorf.” Gespräch zwischen drei Berlinern. Ausgangspunkt war meine Frage “Wollt ihr noch was zu Berlin sagen?”

*weitere Recherche meinseits ergab, dass 125 Todesfälle wissenschaftlich geklärt sind.

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Ein etwas dicklicher, kleiner Mann mit brauner Wollmütze und großer Tüte voller Pfandflaschen steigt an der Friedrichsstraße in die S9 (so ziemlich die einzige Bahn, die in Berlin noch fährt): “Guten Abend verehrte Fahrgäste. Ich begrüße Sie auf der Fahrt nach Schönefeld. Ich spiele Ihnen jetzt ein kleines Stück vor.” Er hat ein kleines silbernes Gefäß, in dem, dem Klang nach, einige Cent-Stücke sind, in der Hand. Wie eine Rassel schüttelt er ein paar mal das Gefäß hoch und runter. Er konzentriert sich und scheint fast überrascht wie gut es ihm gelingt. Er bemüht sich im Takt zu bleiben. Nach ca. 17 Sekunden beendet er sein Stück abrupt und erklärt: “Das war der Ostermarsch. Mehr kann ich auch nicht. Aber ich habe Hunger und ein bisschen Durst. Und ich verkaufe den General. Für den unschlagbaren Preis von 70 cent. Ich freue mich aber auch über 20 cent für einen Kaffee oder über 1 Euro 20 für eine Currywurst. Vielen Dank.” Dann geht er durch das Abteil. Einige Menschen werfen ein paar Cent-Stücke in seine Dose. Eine Station später, am Hackeschen Markt, steigt er aus.

Grafiti-Kultur. Berlin.

März 6, 2008

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Picktures.

März 5, 2008

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Aber nur für mich. Schneesturm und Streik bei den U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen. Chaos. So meine Vermutung. Aus Erfahrungen in Bonn und Koblenz würde ich da auch nicht falsch liegen können. Meine Kolleginnen und Kollegen würden zu spät kommen und die Straßen werden voller hupender verärgerter Autofahrer und vorsichtigen Fahrradfahrern (wegen akuter Sturzgefahr) sein.

Trugschluss: Das Berliner Chaos beschränkte sich auf mich.

Denn außer mir war in Berlin eigentlich alles normal. Gut, es schneite und die BVG streikte*, aber das war’s. Ich zählte auf den Straßen statt 15 ganze 24 Autos, und 18 statt 11 Fußgänger und die Autos hatten die Scheibenwischer an. Einige Fahrradfahrer trugen Mützen und Handschuhe, aber sonst schienen sie wenig beeindruckt. Ich hingegen kämpfte mich förmlich durch Berlin. Der Schneesturm -als Gegenwind unbezwingbar- ließ jeden Meter zur Qual werden. Ich konnte meine Augen nicht mehr öffnen und überfuhr wahrscheinlich 2 oder 3 rote Ampeln. Zumindest würde das das Hupen um mich herum erklären.

Hätte ein gütiger Autofahrer angehalten und mich gefragt ob er mich mitnehmen könnte, ich hätte ohne eine Sekunde zu zögern „ja“ gefleht, hätte mein Fahrrad unabgeschlossen auf den Bürgersteig gelegt und wäre eingestiegen. Ohne mir auch nur eine Sekunde die Fragen zu stellen ob ich in das Fahrzeug eines Vergewaltigers oder Mörders stieg. Ich wäre eingestiegen ohne zu fragen ob der Mensch, mir wäre auch völlig egal gewesen welchen Geschlechts, überhaupt in meine Richtung fährt. Aber niemand hielt an. Niemand. Warum auch? Es war doch alles ganz normal. Okay, es schneite und die BVG streikte, aber das war’s.

*Womit sich mein Boykott gegen die BVG nun endgültig rentiert hat.

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Ich habe schon viel und ich habe schon lange mit Raucherinnen und Rauchern über die Absurdität des Rauchens diskutiert, teilweise gestritten. Manchmal bin ich sachlich geblieben, oft wurde ich persönlich und in den allermeisten Fällen habe ich eine gewisse moralische Anklage erhoben.
Vielleicht liegt es an falscher Selbstwahrnehmung, aber ich kann mich tatsächlich nicht erinnern, dass ein Raucher eine solche Diskussion hoch erhobenen Hauptes verließ. Zumindest für 3-5 Minuten nicht. Dann hat er sich meistens doch wieder eine Zigarette abgezündet. Mit beschämendem Blick zu mir rüber geschaut und gesagt „Nächste Woche höre ich auf.“
Ja ja. Das sagen sie alle.
Gestern kam ich aber in den einmaligen Genuss von zwei Nichtraucherinnen das Rauchen erklärt zu bekommen und zum ersten Mal, verspürte ich eine gewisse Gelähmtheit. Meine Argumente waren keine spitzen Pfeile in die tiefe Raucherseele mehr. Sie schmettern ab. Als würden ich sie gegen eine Betonwand werfen.
Nicht nur das: Mir wurden neue Argumente entgegengebracht. Argumente, mit denen ich mich bisher nie konfrontiert sah. Sachliche wie emotionale. Das war fürchterlich.
Ich werde mich wohl für’s erste damit abfinden, dass Nichtraucherinnen die Welt der Raucher besser erklären können und dass ich meine gut sortierten Argumente, die ich blind aus den geistigen Schubladen zog, aufräumen muss. Im Schlimmsten fall, muss ein neuer Schrank her. Vielleicht reicht eine Kommode. Noch einmal würde mir das jedenfalls nicht passieren: Raucher fast verstehen zu können.