Wer sind die Liebenden?
November 24, 2009
Eine deutsche Liebesgeschichte.
Zwei Partner, die sich auseinanderlebten, die ihre Ideale gleichermaßen verrieten und doch zu ihrer Freundschaft stehen. Allzu oft auch umgekehrt. Eine typische Liebe: Sicherlich mit Höhenflügen und rosa gefärbten Brillen, doch auch mit verletzten Eitelkeiten, mit feindseligen Auseinandersetzungen, mit empfindlicher Gering-schätzung bis hin zu betrügerischer Abkehr. Über eine Beziehung, die seit ihrem Beginn in den 80er Jahren mehr als eine Zweckehe und weniger als eine romantische Liebe war.
Am Anfang war Wilhelm L. skeptisch: Man könne Petra K. nicht ernst nehmen. Viel zu emotional, viel zu unsachlich. Und es ginge ihr doch sowieso immer nur um das Eine: Mit ihrer Sonnenblume im Haar. Völlig fixiert, wenig offen. Dabei war er es doch, der alte Wilhelm, der sich ein wenig schwer tat, diese junge Wilde zu lieben. Er beschimpfte sie mit einer unausstehlichen Altersarroganz und sicherlich nicht ohne Argwohn. Er distanzierte sich von ihr mit Worten deren Strenge nahezu unangemessen war.
Doch dann die erste Annäherung im September 1983 in Wiesbaden/Hessen. Es sollte zunächst keine feste Beziehung werden, aber sie tolerierte ihn; er, ließ das zu, noch immer skeptisch.
Mit den vorbeiziehenden Jahren wurde Petra K. erfahrener, ein bisschen ruhiger und ein bisschen weniger fixiert. Der jugendliche Elan mit Utopien und Illusionen gefüllt, bekam realistische und auch für Wilhelm L. annehmbare Züge. Und auch wenn er noch weit davon entfernt war es zuzugeben, so beobachtete er diesen Wandel doch wohlwollend und auch er wurde gelassener. Zuviel Wahrheit steckte in ihr. Und seine Seele fühlte sich ein wenig gestreichelt von ihrem unkonventionellen Stil, von ihrem Starrsinn zuweilen.
1985 dann die erste Annäherung. Noch ein letztes Mal schmunzelte er über ihre Unangepasstheit: Turnschuhe. Doch unkonventionelle Äußerlichkeiten hatte er inzwischen gelernt zu übersehen. Nach 14 Monaten aber bereits der Bruch. Den Alltag gemeinsam zu meistern, das war für die junge Beziehung noch zu viel. Hanau war kein gutes Pflaster. Und so gingen sie wieder getrennte Wege. Er, noch ein wenig rechthaberisch, und sie, sie ging ihn einfach weiter. Der Alte würde schon wieder erkennen, dass die Flamme längst entfacht und das Band zu stark waren.
Und so kamen sie sich immer wieder näher. An verschiedenen Orten der Republik, mal konfliktärmer, mal voller Streitlust. Von außen wurden sie als gefundenes Duo betrachtet, wenn auch mit gewissen Vorbehalten. Gemeinsame Gegner hatten sie zu einer Stimme werden lassen. Wer gemeinsam kämpft, der liebt auch wieder. Und dann, Ende der 90er Jahren wurde die Verlobung ausgesprochen. Sie hatten im Kleinen genug geprobt, es sollte das Große werden.
Am 27. Oktober 1998 war ihre Ehe vor dem und vom Volk besiegelt. Die erste Euphorie machte der täglichen Routine schnell Platz. Zwei Partner werden eben doch nicht eins und dennoch: Wilhelm und Petra hielten sich wacker. Das gemeinsame Leben in der Republik war nicht leichter geworden. Und so wurde ihr erstes Kind „Peter“ ein Krüppel. Aber auch ein Krüppel muss gepflegt und geliebt werden. Der Alte war es aber Leid. Immer wurde ihm dieses Kind zum Vorwurf gemacht und Petra verwaltete es, hielt sich aus der Erziehung weitgehend heraus. Genau genommen war sie noch viel zu unerfahren um diese nationale Bürde zu tragen.
Und das verflixte siebte Jahr brachte erneut den Bruch unseres Paares. Der Alte war senil geworden. Er hatte vergessen wofür er stand, wer seine Freunde waren und was er einst liebte. Er hatte mehr sich selbst als sie verraten und dennoch musste sich das Paar trennen. Der Traum war vorbei, der Alte war am Ende, und der ständige Belastungskampf hatte auch Petra K. den Glanz, die Vision geraubt. Es war eben nicht mehr die wilde „Wir-gegen-den-Rest“ Ehe, es war eine verantwortungsvolle Gemeinschaft geworden, die damit kämpfte nicht an ihren eigenen Erwartungen zu zerbrechen. Doch sie zerbrach.
Der Alte wandte sich 2005 wieder der verhassten Gegenspielerin zu. Lange hatten die beiden keine gemeinsame Sache mehr gemacht. Er nahm Peter mit in die Ehe und die Andrea H. verhätschelte das Kind mehr als Wilhelm. Sie adoptierte Peter mit offenen Armen. Sie wusste: Zu uns passt dieses Kind, wir können es nähren und lieb haben. Der Alte hingegen wird sich immer wieder für den Krüppel aus eigenem Haus im eigenen Haus rechtfertigen müssen und am Ende, das war vor vier Wochen, an ihm zu Grunde gehen. Doch vorher misshandelte Wilhem das falsche Kind, immer wieder schlägt sich der Alte mit Mordgelüsten um. Doch Andrea hält ihre schützende Hand über Peter und Wilhelm schaut wehrlos zu.
Die Alte, Andrea, nutzt die gemeinsamen vier Jahre um ihn zu entwürdigen, ihm seine Ideen zu rauben, ihn zu hintergehen und ihn fallen zu lassen. Und er, wie eingefroren und taub, scheint ihr ausgeliefert. Zu schwach. Altersblind sei er, sagt das Volk.
Und als hätte er nicht schon genug mit sich zu kämpfen, am Boden liegend, da sieht er seine junge Liebe Petra K., schon in den Armen der Anderen. In Hamburg der erste bittere Schlag und nun auch noch an der Saar im Dreier. Dort ließ sie sich verführen. Auch sie betrog ihn. Aus Angst alleine alt zu werden, versucht sie von Wilhelm loszukommen. Ihn zu vergessen. Der Alte ist noch immer zu starrsinnig um sie zu kämpfen. Er verrät sie, wenn es sein muss. Er behandelt sie zuweilen herablassend und ist selbst von falschem Stolz geleitet.
Unser Paar liegt am Boden. Seine Liebe wurde getreten, von ihr, von ihm, vom Volk.
Ob die beiden einen würdigen Neustart schaffen, liegt an Wilhelm und daran, ob er sich noch einmal aufrafft, ob Dresden nicht das letzte Lebenszeichen war, ob er wieder versteht, was Rückrat bedeutet.
Und letzten Endes muss sich zeigen, ob sich die beiden in ihren neuen Beziehungen nicht so weit voneinander entfernt haben, dass die Kränkungen zu groß und die Visionen zu verschieden geworden sind.
Ein Szenario. Dem Herbst gewidmet. Und für das Verlorene.
Oktober 28, 2009
Am Morgen hatte es den ersten Frost des Herbstes gegeben. Doch seit den späten Morgenstunden sind die letzten Tropfen abgeperlt. Die Frauen tragen schwarze Netzstrümpfe und graumelierte Hüte. Sie sehen aus wie unnahbare Schauspielerinnen aus den 40er Jahren. Die Männer zogen zum ersten Mal in diesem Jahr schwarze Lederhandschuhe an. Und die weinroten Herbstblätter des Ahorns auf den Wegen, auf den Bänken rund um die Wiese und in der Luft darüber sind Beweise der Vergänglichkeit.
„Denn die 1000 Vögel blieben nur den Sommer. Tut mir Leid. Doch ich muss jetzt gehen. Tut mir Leid. Doch mein Herz kann sie nicht mehr sehen.“
Pohlmann hat das geschrieben. Als könnten Herzen Vögel sehen…
Weiße und rote Rosen zwischen den schwarzen Mänteln. Doch ein Rosenregen ist ausgeblieben. Die Rosenblätter auf der Wiese und die Kälte… das wäre ein kurzes Vergnügen geworden. Das ockerfarbene Schloss bewacht das Schauspiel kurfürstlich. Ob Kurfürsten diesen Anblick gemocht hätten? Heute sind keine Touristen gekommen. Es liegt zu viel Schwermut in der Luft. Das mögen sie nicht und zum Fotografieren ist es sowieso ungeeignet. Und doch… die schwarzen Netzstrümpfe machen den Anblick so schmerzlich schön. Die Gedenktafel glänzt bronzefarben. Schon der erste Winter wird Spuren hinterlassen und das Denkmal ehrfürchtiger erscheinen lassen. Noch scheint es golden in der bitterkalten spätherbstlichen Sonne…
Und die Tränen, die nicht vergossen werden, verweilen als heilendes Gift in den Adern.
Aber sie wollen doch Fröhliches lesen. Alles nicht schlimm. Alles nicht so schlimm. Die Vögel werden schon wieder kommen. Vielleicht erst im nächsten Sommer. Aber der kommt bestimmt. Darauf war doch bisher immer Verlass. Und all die Lieben, die dieser Herbst gekostet hat, sie werden wohl nicht zurückkommen. Aber Lieben gibt es noch genug. Und die Zeit heilt alle Wunden. Doch heilt sie die Verwundeten?
Gut tun.
Januar 5, 2009
Es war schön wieder nach Bonn zu kommen. Am Bahnhof riecht es noch immer nach Crepes, die Menschen halten trotz notorischer Eile die Türen auf und die Ampel vorm Bahnhof wird noch immer nur sporadisch beachtet. Der Buchhändler präsentiert seine Angebote auch in eisiger Kälte draußen und die Weihnachtsbeleuchtung ist wie jedes Jahr wieder üppiger ausgefallen. Zum Glück blinkt allerdings nichts. Sie Sternen und Bäume leuchten pausenlos.
Die 62 fährt nicht mehr und auch die Busse kreisen in neuem Rhythmus und Fahrplan. Nicht nur das zeigt meine längere Abwesenheit: Meine Mädels haben neue Fahrräder, Frisuren, Freunde oder Flausen im Kopf, aber sie tun noch immer so gut. Danke.
Für mich ist es weitaus mehr.
Oktober 17, 2008
Ich weiß: Für die meisten ist es nur eine unter 1000 Möglichkeiten, sich inhaltlich und/oder finanziell zu engagieren.
Für mich ist es weitaus mehr, denn es ist ein Teil von mir und daher wird es Zeit, dass ich hier darauf aufmerksam mache und vielleicht ein bisschen meiner Begeisterung für das Bonner Spendenparlament übertragen kann.
Das Bonner Spendenparlament e.V. ist eine gemeinnützige, überparteiliche und demokratische Initiative.
Die Idee ist einfach: Jeder, der mindestens 5 € pro Monat spendet erhält Sitz und Stimme im Spendenparlament (unabhängig von der Höhe der Spende). Die Parlamentarier entscheiden in gemeinsamen Sitzungen dann demokratisch über die Mittelverwendung also darüber welche Projekte gefördert werden.
Im Fokus stehen Initiativen und Vorhaben, die
- von Armut, Isolation und Obdachlosigkeit betroffenen Menschen helfen;
- zur Integration aller Bevölkerungsgruppen beitragen;
- Bildung und Ausbildung junger Menschen fördern oder
- auf andere Weise die Lebensbedingungen in unserer Stadt spürbar verbessern.
Seit kurzem ist es möglich Parlamentarier/in zu werden, womit sich nun zeigen wird, ob das Bonner Spendenparlament auf Zustimmung trifft.
Ich würde mich riesig freuen, wenn wir einen erfolgreichen Start hinlegen. Dafür brauchen wir Menschen. Menschen, die Parlamentarier werden. Menschen, die uns inhaltlich unterstützen. Menschen, die einfach über uns sprechen und auf uns aufmerksam machen.
Unter www.spendenparlament.de gibt es alle Informationen und auch den Parlamentarierantrag
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(Die Fotos sind vor einem Monat in Berlin bei der Verleihung des Engagement-Preises 2008 des Vereins der Fes-Ehemaligen entstanden.)
Was lief da eigentlich schief?
Juli 12, 2008
Was läuft da schief, wenn 2.800 Polizisten an einem Samstagnachmittag in Bonn Lengsdorf Felder bewachen, ihre Hündchen ausführen, ihre dilettantisch Reitkünste „reihenweise“ zur Schau stellen, die zu Hochglanz polierten Panzer zu einer Spritztour nutzen und dabei munter ihre neusten Hifi-Geräte ausprobieren indem sie sämtlich Passanten „ins Visier“ nehmen. Das waren heute vielleicht 2749 mehr als an einem gewöhnlichen Samstagnachmittag ins Lengsdorf.
250 Nazis mussten allerdings vor genau diesen geschützt werden.
Ich möchte so gerne mangelnde Koordination unterstellen, weil ich nicht glauben will, dass bewusst versucht wurde eine angekündigte und genehmigte Kundgebung zu verhindern. Dass wir von den einen Polizisten in eine Straße geschickt werden, um im nächsten Moment eine ca. 65-vollbewaffnete (inkl. Hunde) Polizisten-Patrouille auf uns (wir waren zu diesem Zeitpunkt eine ca. 50-Mann große Splittergruppe, die wie so viele andere verwirrt durch die Lengsdorf lief, weil wir die genehmigte Route nicht gehen durften) zumarschieren zu sehen als würden sie uns förmlich überrennen wollen. Aber das wäre zu riskant, denn dabei könnte einer von uns vielleicht doch „durchkommen“. Wir sind nicht vermummt, wir haben keine Waffen, keiner hat etwas getrunken, wir unterhalten uns. Dennoch scheinen wir zum Objekt polizeilicher Begierde geworden zu sein…Wahrscheinlich viel zu diplomatisch frage ich warum wir nicht weitergehen dürfen: „Sucht euch `nen anderen Weg! Keine Diskussion!“ Aha.
Fragt mich nicht nach einer Alternative (die einigermaßen friedlich verlaufen wäre) aber lasst mich die Frage stellen, wie es dazu kommen kann, dass Nazis während ihrer Demo geschützt werden und friedliche Demonstranten wie Verbrecher beobachtet, gefilmt und behandelt werden? Das ist skurril. Menschen, die die deutschen Grundrechte nicht anerkennen, werden demokratische Grundrechte zugesprochen, und jenen, die Demokratie leben und verteidigen, werden demokratische Grundrechte verwehrt.
(Ich möchte der Vollständigkeit halber anmerken, dass es auch einige freundliche Polizisten und leider auch einige linke aggressive Demonstranten gab. Beide Gruppen waren allerdings in der Minderheit!)
Auch ich rufe auf!
Juli 10, 2008
Das Bonner Aktionsbündnis »Kein Fußbreit den Faschisten!« ruft für den 12. Juli auf zu einer Demonstration gegen Nazis; der Anlass:
Für den 12.07.08 hat das neonazistische »Aktionsbüro Mittelrhein« eine Demonstration unter dem Motto »Freiheit gibt es nicht geschenkt« in Bonn Duisdorf angemeldet. Die Demonstration richtet sich gegen die »Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien«, die unter anderem jugendgefährdende Texte im sogenannten Rechtsrock-Bereich indiziert. Der Verkauf rechtsextremer CDs ist eine wichtige Einnahmequelle für die rechte Szene.
Nach über 10 Jahren ist dies der erste Versuch der Nazis, wieder in Bonn zu demonstrieren…
Das sollte verhindert werden:
Treffpunkt ist am 12. Juli um 8 Uhr das DGB-Haus. Von dort aus wollen wir nach Duisdorf ziehen und uns den Nazis entgegenstellen – phantasievoll, friedlich und wirkungsvoll!
Weitere Aktionen sind am selben Tag geplant, um zu zeigen, wem die Bonner Straßen gehören: jede und jeder ist uns willkommen, egal welcher Herkunft und Hautfarbe – aber die Nazis nicht!
Quelle und weitere Infos unter: hier
Gemischte Gefühle.
Juni 29, 2008
Ich wünsch’ dir,…
Juni 29, 2008
Über das Lernen und das Motvieren…
Juni 28, 2008
Kreisläufe können ein Dilemma sein, vor allem, wenn man nicht aussteigen kann, was besonders dann der Fall ist, wenn es nur zwei Komponenten gibt. Da ist schon allein die statistische Wahrscheinlichkeit etwas ändern zu können, recht gering.
Mein Karussell scheint keine Notbremse zu haben, es lässt sich auch nicht erweitern, ändert die Drehrichtung nie, nimmt niemanden mit außer mir und wird schneller und schneller. Zwei Pferde (die Hauptfiguren), die sich in die Schwänze beißen und inzwischen weiß keines mehr welches damit anfing. Das eine Pferd heißt „Moty“. Das andere „Lerny“. (Diese Kosenamen haben sich Motivation und Lernen selbst gegeben nach all’ der Schwanzbeißerei wollten sie sich damit näher kommen).
Inzwischen kann ich sie kaum noch unterscheiden, ich weiß nie auf welchem ich gerade sitze. Zwischen der 536. und 537. Drehung lese ich einen Text über Selbstdisziplin. Jawohl, der wird mir helfen. Er wird mir die Kraft geben, das Karussell unter Kontrolle zu bekommen. Den Ritt zu nutzen, zu genießen. Ich lese schneller und schneller. Und am Ende die Ernüchterung: Man solle einfach das Karussell wechseln. Dann wird alles gut. Super, vielen Dank auch. Leider nicht möglich. Es sei denn, ich entscheide mich im 8. Semester mein Studienfach zu wechseln. Toller Vorschlag.
All’ das dreht sich doch nur um die Frage:
Muss ich mich motivieren zu lernen oder lernen mich zu motivieren? Welches Pferd sollte ich erhöhte Aufmerksamkeit schenken oder anders: Wessen Schwanz sollte ich gewaltsam aus dem Maul des anderen reißen?
Er trägt einen Strohhut…
Juni 27, 2008
Gestern hatte ich ihn bereits gesehen. Er fällt auf, weil er anders ist als die üblichen Flyer- und Broschüren-Verteilerinnen und Verteiler.
Er trägt einen Strohhut, ist ca. 60 Jahre alt und seine „Flyer“ liegen sorgfältig gestapelt in einem Bastkorb. Freundlich, fast schüchtern verteilt er DinA4-Bätter, schwarz/weiß beidseitig bedruckt.
Die Studierenden und Passanten, die üblicherweise allergisch auf den Flyer-Wahnsinn an der Uni reagieren, lassen sich fast ausnahmslos seine Mitteilung geben. Er lächelt zurückhaltend und wirkt wie ein „Fremdkörper“ im System.
Wahrscheinlich genau deshalb und wegen seines Papiers, das so wenig werbewirksam aufbereitet ist wie ein Reclam-Heft (wobei das wenigstens Farbe hat), sind die Menschen gutmütig. Das psychologische und soziale Phänomen der „Sozialen Erwünschtheit“ scheint ursächlich zu sein: Wer verweigert einem 60-jährigen sympathischen Mann mit Strohhut und Bastkorb schon gerne die Entgegennahme eines Papiers (zumal das ja zunächst recht unverbindlich ist).
Heute sehe ich ihn wieder. Auch ich nehme den Flyer entgegen und lese beim Essen.
„Notizen eines Gasthörers“ steht ganz oben. Der Text ist gegliedert in „Prolog, Dialog und Epilog“ und befasst sich im Wesentlichen mit vorherrschenden Missständen an der Universität. Einige Punkte sich bekannt, andere neu für mich, aber alle sind nachvollziehbar und mit juristischen Nachweisen erläutert.
Ich frage mich, warum ein Gasthörer so viel Energie in die Kundgabe dessen legt, was für ihn doch nur lächelnd beobachtet werden könnte…
Warum sind nicht wir es, die vor der Uni stehen und versuchen die KommilitonInnen aufzuklären? Haben wir schon aufgegeben? Sind wir zu faul? Die anderen können es ja machen?
Was denkt der Verfasser wohl darüber, dass die Studierenden zwar brav seinen Flyer nehmen, essen gehen und weiter machen wie vorher?
Nach dem Essen spreche ich ihn an…






















