Frühling in Bonn.

April 24, 2008

… Überfluss-Natur?!

Links: Karl Marx, Kritiker des Kapitalismus und einflussreichster Theoretiker des Kommunismus

„Deutschland ist ein sozialer Staat“ (Grundgesetz Artikel 20, Absatz 1)

Unter „sozial“ können wir uns ja alle etwas vorstellen. Die einen mehr die anderen weniger…

Aber was bedeutet „Sozialstaat“? Ein sozialer Staat symbolisiert die Idee der sozialen Gerechtigkeit und die Verpflichtung des sozialen Ausgleichs.

Dieser Grundgedanke ist eng verknüpft mit der Sicherung des Existenzminimums, unter das niemand in Deutschland lebender Mensch „fallen“ darf.

Ein sozialer Staat ist damit Grundlage der Freiheit, denn nur ein Mensch, der einen Mindestmaß an Lebensgrundlage besitzt (genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und eine würdige Arbeit) ist frei in seinem Handeln, nicht determiniert durch Existenzängste. Der Sozialstaat verpflichtet sich somit zur Daseinvorsorge und impliziert staatliche Förderung (Hartz lV, BAföG, Subventionen) und Koalitions- und Berufsfreiheit (u.a. die Bildung von Gewerkschaften).

Zu der Idee des sozialen Staates gehört außerdem die Sozialpflichtigkeit der Eigentums: Das erklärt Steuern und Abgaben.

All diese Faktoren sollen Chancengleichheit in Deutschland, einem sozialen Staat, sichern.

Leider wird die Idee von Gerechtigkeit und Gleichheit von vielen immer wieder zum Sozialmärchen degradiert, was nicht gerade zur Entfaltung des Sozialstaates beiträgt.

…aber…

… ich werde …

… Berlin …

… vermissen …

Deswegen bleibt mir nur noch zu sagen:

Deutschland ist eine Bundesrepublik. Sowohl „Bundes“ als auch „Republik“ möchte ich definieren und erklären, womit ich dann meine Steine-Reihe fortsetze.

Zunächst also die Begriffsklärung „Bundessstaat“:

Ein Bundesstaat, oder auch föderaler Staat, unterteilt den Gesamtstaat (Deutschland) in Gliedstaaten (Länder). Sowohl die der Gesamtstaat (Bundestag/Regierung), als auch die Gliedstaaten (Landesparlamente/Senate) besitzen Staatsgewalt. Die Länder können Gesetze erlassen, haben Ministerien, Finanzhoheit etc. und können sich somit in ihren Bereichen in eigener Staatlichkeit entfalten.

Wichtig dabei ist aber, dass nur das Bundesvolk „souverän“, also verfassungsgebend, ist.

Der Föderalismus ist sehr teuer und oftmals aufwendig. Häufig wirkt er blockierend und unnutz. Teilweise sogar unlogisch: Dem Föderalismus verdanken wir, dass einige Länder Studiengebühren erheben, andere nicht. Dass in einigen Ländern in Restaurants noch geraucht werden darf, in anderen nicht. Dass in einem Land die Lokführer streiken durften, in anderen nicht etc.

Das liegt daran, dass den Ländern gewisse Kompetenzen zustehen, die sie eigenverantwortlich verwalten. Dazu zählen Polizei- und Kommunalrecht, sowie Kultus.

Warum leistet sich Deutschland dieses teure und teilweise undurchsichtige System?

Das eher pragmatische Argument ist das der regionalen Beachtungsmöglichkeit und Bürgernähe: Das Land „kennt“ sich besser als der Bund es jemals könnte.

Das eher „idealistische“ Argument folgt wieder einmal aus dem Schrecken des Nationalsozialismus, dem man mit allen Mitteln entgegentreten wollte: Durch das Bundesstaatsprinzip wird die Macht dezentralisiert und die Staatsgewalt verteilt.

Dadurch wird eine zusätzliche Sperre für das Entstehen eines totalitären Regimes eingebaut.

Und was bedeutet Republik?

„Die Republik (über frz. république von lat. res publica, „öffentliche Angelegenheit“) ist eine Staatsform, die sich an Gemeinwesen und Gemeinwohl orientiert und seit der Französischen Revolution in der Regel als Gegenmodell zur Monarchie verstanden wird.“ (Wikipedia)

Durch den Republik-Gedanken wird Deutschland zu einem freiheitlichen Staat des Volkes. Die öffentliche Gewalt muss, wie auch das Demokratieprinzip gebietet auf die Bürger rückführbar sein.

Diese Prinzipien stehen hinter dem Wort „Bundesrepublik“ und sind damit maßgeblich für Deutschland.

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) richtet seit dem Jahr 2000 (Das Jahr der Physik) im Rahmen der Initiative Wissenschaft im Dialog die so genannten Wissenschaftsjahre aus. Sie sollen einen Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ermöglichen und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit an Wissenschaft zu verstärken und junge Menschen für wissenschaftliche Themen zu interessieren.

Und wer wusste es nicht: Das Jahr 2007 war das Jahr der Geisteswissenschaften. Quasi täglich in der Uni, in den Seminare und Zeitungen, ja in der „breiten Öffentlichkeit“, in den Schulen und auf den Straßen hat man nichts davon mitbekommen.

Nein, falsch. Ich erinnere mich an einen Wettbewerb der Bonner Universitätszeitung forsch. Das hieß es: „Warum brauchen wir Geisteswissenschaften? Schreiben Sie einen Essay zu dem Thema. Die besten werden in der forsch veröffentlicht und erhalten einen Preis. Sie können Ihren Beitrag auch anonym einreichen.“

Wow, das ist doch was. Das Bonner Rektorat würde gerne wissen, warum man Geisteswissenschaften braucht. Und damit sich keiner schämen muss, kann man die Lösung zu diesem wissenschaftlichen Problem sogar anonym einreichen. Es verwundert nicht, dass die Bonner Unileitung diese Frage lieber von der Allgemeinheit beantworten lässt. Sie kann es nämlich schon lange nicht mehr.

Ich frage mich wie eine Gesellschaft aussehen soll in der Geisteswissenschaftler fehlen. Wilhelm Dilthey (Einleitung in die Geisteswissenschaften 1883) sah ihren Auftrag darin, den Zusammenhang zwischen “Leben, Ausdruck und Verstehen” zu untersuchen. Wer will darauf verzichten? Wer kann darauf verzichten?

„Die Geisteswissenschaften reflektieren die kulturellen Grundlagen der Menschheit. Und weil sie ihre Ziele aus sich heraus bestimmen, können sie auch Brücken schlagen zwischen den Kulturen.“ (BMBF)

Eine pluralistische Gesellschaft ist die Garantie für Demokratie und für ein friedliches Zusammenleben. Was vor 80 Jahren in Deutschland passierte, wäre in einer pluralistischen Gesellschaft, in der Freiheit ein elementarer und unumstößlicher Wert ist, kaum möglich gewesen.

Mit Erschrecken und Wehmut sehe ich nun, wie Fachbereiche der Geistenwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 2007 geschlossen oder verkleinert werden: Die Fächer, die vielleicht auf dem Arbeitsmarkt nicht die Vorzeige-Karriere garantieren. Einmal abgesehen davon, dass es mir anmaßend erscheint, die Anforderungen des Arbeitsmarktes als prognostizierbar zu erachten, frage ich mich, ob wir eine Gesellschaft anstreben, in der jeder Studienabgänger bereits die Karriereleiter fest im Blick hat und am besten schon die erste Stufe geklettert ist. Vielleicht ist eine Gesellschaft und ein Bildungssystem, das auch den Studierenden der sogenannten „Orchideenfächer“ eine gute Ausbildung garantiert, viel erstrebenswerter, als eine, die sich nur an Arbeitsmarkt und Karriere orientiert.

Wie konnte es so weit kommen, dass ich hier versuche etwas zu verteidigen, was nicht anzuzweifeln ist. Wie kann man auch die Lehre des Lebens, die Deutungen der Welt und die Ordnung des Staates und der Gesellschaft in Frage stellen?

Liebes Bundesministerium nach sieben naturwissenschaftlichen Jahren (wie Sie selbst sagen), konnten Sie sich dazu durchringen das Jahr 2007 den Geisteswissenschaften zu widmen. Ich bin stolz auf Sie. Jetzt hätten Sie ja wieder Ruhe vor dem lästigen Thema und können sich in den nächsten sieben Jahren wieder mit den Naturwissenschaften beschäftigen. Ach, nein, da Sie ja so schlau waren und die Geisteswissenschaften direkt im Rundumschlag „gewürdigt“ haben, können Sie jetzt sogar erst einmal jeden einzelnen Fachbereich der Naturwissenschaften (womit sie ja auch so schön begonnen hatten) abarbeiten.

Ein Jahr der Anglistik, Germanistik, Philosophie oder Politologie hätte nach dem Jahr der Informatik 2006 ja auch irgendwie komisch ausgesehen…

Das Jahr 2008 ist übrigens das Jahr der Mathematik. Meine Prognose für 2009: Biologie.

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Lasst sie mir, meine Liebe zur Philosophie.

Aber lehrt mich nicht Dinge, die man nicht lehren kann, da sie so tief und so weit sind, dass eine Wissenschaft darüber fraglich, wenn nicht paradox wäre.

Ich will mich bilden und lernen, ich will verstehen, aber nicht Dinge, die meine Seele und mein Herz erzählen und deren Wahrheit für mich absolut ist.

Lehrt mich Wissenschaft, die Wissen über Dinge schafft, die offensichtlich und erklärbar sind.

Etwas Handfestes! Nichts Gedankenfreies!

Sie wird mir noch genommen, meine freie Sehnsucht nach Poesie, nach Philosophie, meine stetige Begierde nach dem, was ich als „Mensch-sein“ bezeichne.

Meine Leidenschaft entreißt ihr mir, wenn ihr sie mir aufdrängt und mich mit ihr einsperrt.

Gedanken einzusperren ist doch so widersinnig, so dumm!

Es ist wie mit dem Spaß am Schwimmen. Man nimmt ihn den Kindern, indem ihr sie dazu zwingt etwas unter Druck zu tun, was doch druckfrei bleiben sollte.

Es wird immer Dinge geben, die uns dann genommen werden, wenn man ihnen die Freiheit entzieht.

* Inzwischen habe ich gelernt und verstanden, dass ich in einem Raum doch frei sein kann, denn: Die Gedanken sind frei. Und nun erwarte ich (wie aus einem der ersten meiner Blog-Einträge zu entnehmen), dass meine Kinder diese Erkenntnis früher als ich erlangen…

Wer macht denn so was?

März 18, 2008

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Eine fürchterliche Nachricht erreichte mich heute aus meiner lieben Stadt Bonn: Mein Fahrrad wurde geklaut!!! Ich bin zutiefst erschüttert. Wer klaut denn bitte mein Fahrrad? Es ist doch unverkennbar, dass es mein Fahrrad ist: Auf dem Schutzblech steht in Glitzersteinchen “ALINA”, die Namen der zauberhaften Schenkerinnen stehen liebvoll in weiß gepinselt auf dem Rahmen. Der Sattel ist mit “wunderherrlich” (Insider ;-)) beschriftet und sowieso hat dieses Fahrrad jegliche Individualität durch mich erlangt: Es wurde schon dreimal vom Polizisten Grün (so heißt er wirklich) angehalten, es wurde von meiner Mama und mir über den Weihnachtsmarkt getragen (Ich hatte den Schlüssel vergessen und konnte es nicht aufschließen.), es hat sich mit mir schon auf die Schnauze gelegt und schon Aldieinkäufe im Wert von 30 € nach Hause gebracht. Es hat mich schon hunderte Kilometer durch Bonn gefahren und mir dabei jegliche Missachtung der Verkehrsordnung verziehen. Der Lenker ist schief und der Korb ist mit einem Zahlenschloss befestigt, dessen Code ich selber nicht erkenne. Die Klingel ist nicht mehr richtig fest und rutscht immer nach unten. Es ist augenscheinlich: Das war mein, und nur mein, Fahrrad!!

Und jetzt ist es weg!!! Wer auch immer es nun besitzt…

… ich werde um mein Fahrrad kämpfen!!!

Wahlweise gestatte ich es auch, es einfach wieder vor den A……ring 5 in Bonn zu stellen. So könnten sich beide Parteien den Kampf ersparen. Quasi eine Win-Win-Situation. Danke.

Platzangst im Kopf.

Februar 10, 2008

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Immer wieder, meist unangekündigt, kommt dieses Gefühl im Kopf. Zu viele Informationen, zu viele Eindrücke, zu viele Menschen. Und die Kapazität all’ diese Impressionen zu verarbeiten, sinkt…

Wie schaffe ich es also entweder die Kapazität zu erweitern oder aber den Informationsüberfluss zu beschränken? Letzteres wird in unserer Gesellschaft wohl kontinuierlich unmöglicher. Eine Welt, die von Informationen mehr als von Brot und Wasser lebt, wird mich zweifellos nie verschonen. Mein Gehirn muss es schaffen zu selektieren, zu differenzieren und sich auf’s Wesentliche zu konzentrieren.

Normale Gehirne haben ein scheinbar gut funktionierendes „Filtersystem“. Dinge, die individuell als unbedeutend gelten, werden ausgeblendet. Quasi übersehen. Manchmal glaube ich, dass dieses Super-Filter-System bei mir nicht sonderlich ausgeprägt ist. Mein Zwischenhirn* versagt regelmäßig und scheint im Allgemeinen hoffnungslos überfordert.

Doch welche Erwartungen, außer der der besseren Selektion, stelle ich noch an mein Gehirn?

Der Soziologe Talcott Parsons bestimmt Sozialisation als den „Prozess, durch den die Individuen die Dispositionen erwerben, die erforderlich sind, um die in der Gesellschaft vorgegebenen Rollen als Akteure spielen zu können.“

Damit steigen die Erwartungen an mein Gehirn gänzlich in`s Unermessliche: Mein Gehirn soll antizipieren, analysieren und reagieren. Ich erwarte die perfekten Informationen für jede Rolle, die ich spielen muss. Das klingt ja alles ganz überschaubar…

Und so sehr ich daher Parsons und der Idee der Systeme Recht geben mag, denn scheinen in seiner Vorstellung wenigstens klare Erwartungen an unsere Gehirne zu existieren, muss ich mich fragen, welche Rolle das Unterbewusstsein spielt, denn das Verhältnis zwischen Bewusstsein und dem Unbewussten muss eine größere Rolle spielen, als sie es bei Parsons tut. Ob ich so weit wie Sigmund Freud gehen will, überdenke ich noch einmal, aber ich möchte C.G. Jung zitieren: „Das Bewusstsein des modernen Menschen hat sich weit von der Tatsache des Unbewussten entfernt. Man hat sogar vergessen, dass die Psyche keineswegs unsere Absicht, sondern größtenteils autonom und unbewusst ist. Daher veranlasst beim Kulturmenschen die Annäherung des Unbewussten einen panischen Schrecken, nicht zum geringsten Teil wegen der bedrohlichen Analogie mit Geistesstörung. [...] Das Unbewusste geschehen zu lassen und es erleben wie die Wirklichkeit, das übersteigt Mut sowohl wie Können des Mitteleurpäers. Er zieht es vor, dieses Problem einfach nicht zu verstehen. Für die Schwachen im Geiste ist das auch besser so; denn dieses Ding ist nicht ungefährlich.“

Da ich mich natürlich als durchaus stark bezeichne, halte ich es für erforderlich das Unbewusste geschehen zu lassen, denn es ist der Rest des uralten Menschtums, von aller Differenzierung und Fortentwicklung zurückgelassenes Gemeingut, das allen Menschen geschenkt ist. Bei all` der Konzentration auf’s Detail möchte ich das Gefühl für das Umfassende und den allgemeinen Zusammenhang behalten. Meine individuelle Selbstverwirklichung kann nur stattfinden, wenn sie aus der egozentrischen Welt hinaus gerissen und in größere Zusammenhänge gebracht wird.


*Das Zwischenhirn filtriert den Informationsfluss von den Sinnesorganen zum Großhirn. Unwichtiges wird nicht weitergemeldet. Damit schützt es das Gehirn vor Überlastung

 

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Liebe ist Toleranz, Respekt, Einfühlsamkeit, Verständnis, Sehnsucht, Treue, Zuneigung, Glück und Achtung.

Sie ist Unzurechnungsfähigkeit, Blindheit, Unsinn, Macht, Egoismus. Oder einfach nur die größte Wagnis?

Ist sie Rücksicht oder Überzeugung, ist sie opferbereites Erbarmen, ehrfürchtige Heiligkeit oder nüchterne Besonnenheit?

Der Sinn füreinander oder Hingebung aneinander? Glaube oder Sinnlichkeit? Kann sie Zutrauen oder Dankbarkeit, Sehnsucht oder stille Wehmut sein? Zärtlichkeit, Leidenschaft, Drang, Heimat oder Heimlichkeit? Empfindung, Güte oder Neugier?

Ist sie Geduld oder Suche nach Versöhnung? Ist sie Hoffnung oder Suche nach Vergebung? Zauber oder Schönheit des Augenblicks?

Ist sie Wahrheit oder Wahnsinn? Ist sie das Notwendigste oder das Überflüssigste?

Oder ist sie einfach nur “die wunderbare Gabe, einen Menschen so zu sehen, wie er nicht ist”? Hannelore Schroth

* Ideen, Definitionen, Gedanken und Widersprüche. So vielfältig wie sie selbst.

Bericht.erstattung.en.

Februar 7, 2008