Palio 2009. Siena.
Juli 6, 2009
Das verschweige ich lieber…
März 5, 2009
Die italienische Ignoranz gegenüber Datenschutz, zumindest jenem an der Universität (und Siena bietet hier keinen Einzelfall), kommentierte ich bereits vor einigen Wochen. Noch immer habe ich diesen Schock nicht ganz verkraftet.
Nach einigen Gesprächen und Auseinandersetzungen, nach weiteren Beobachtungen und Sensibilisierungen, glaube ich verstanden zu haben, warum die italienischen KommilitonInnen diese Umstände gar nicht oder nur geringfügig anklagen:
Ihr gesamter Alltag ist nicht gerade durch Diskretion gekennzeichnet.
Familienstreits werden der zugegebenermaßen beschränkten Busöffentlichkeit uneingeschränkt mitgeteilt und geschäftliche Details lassen sich am besten unter freiem Himmel und mit Duzenden Zuhören klären.
Die politische Richtung eines italienischen Mitbürgers ist so etwas wie die Farbe des Regenschirms: Kann und will nicht versteckt werden.
Genauso wenig wie Unterwäsche der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollte. Jede Wohnung präsentiert ein Sortiment an allem, was eben zu waschen ist vor der Fensterbank.
In den Internetpoints werde ich das Gefühl nicht los, dass die PCs bewusst so angeordnet wurden, dass ein gegenseitiges Bespitzeln gar nicht zu vermeiden ist. Denn selbst wer sich ganz fest vornimmt, dass das Letzte, das ihn interessiert, die youtube-Aufrufe einer pubertierenden Vierzehnjährigen sind, wird förmlich gezwungen zu erraten welche DailySoup die junge Dame gerade taub und blind für alles, was um sie herum passiert, macht.
Doch ihr wäre es genauso egal, wenn halb Siena hinter ihr stehen und ihre Chatkonversation mit einem pubertierenden fünfzehnjährigen Amerikaner live mitverfolgen würde.
Die wenigsten Discotheken- Restaurant- oder Bartoiletten lassen sich wirkungsvoll abschließen und so frage ich mich selbst beim Pinkeln ob ich nun komisch bin, weil ich gerne in Ruhe und verschlossen die Toilette nutzen würde, oder ob es doch die Italiener sind, die diese Form der Öffentlichkeit gelassen und unverschlossen hinnehmen.
Wenn ich italienischen Freunden erzähle, dass eine italienische Freundin das Passwort ihres Freundes bei Facebook geknackt hat und nun vollständig an seinem Leben teilnimmt, ohne dass er auch nur den Hauch einer Ahnung hat, dann heißt es meist: „Das hat meine Freundin auch mal gemacht“ oder „Das mache ich auch gerade.“ Nee, ehhh, ist klar, ich habe auch mal… eh… heimlich die SMS meines Exfreundes gelesen…
Dass ich danach wochenlang ein schlechtes Gewissen hatte und mir geschworen habe, es nie nie wieder zu tun, es bisher auch gehalten habe, dass diese Beziehung darunter wahnsinnig gelitten hat…
…das verschweige ich lieber. Ganz im Sinne der deutschen Diskretion.
Ich weiß nicht, ob die Deutschen mit ihrem Datenschutz-Privacy-Diskretions-Fimmel der Zeit voraus sind oder einfach zu peinlicher Eigenbrödlerei neigen, doch ich werde wohl auch in Zukunft in einigen Situationen das Brödeln nicht der „Anpassung“ zu Liebe aufgeben können…
Zitat der Woche.
März 1, 2009
Tage wie dieser…
Februar 28, 2009
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Du drehst dich um
und siehst sie wieder
Du drehst dich um und siehst in deinem Kopf die alten Bilder.
Spürst du noch immer nichts?
Du siehst das Licht irgendwo am Ende.
Der Augenblick ist jetzt und fließt wie Sand durch deine Hände.
Doch du hältst dich,
doch du hältst dich an ihm fest.
Tage wie dieser
kommen nie wieder.
Tage wie dieser
sollten nie vergessen geh’n.
Du sprichst nicht mehr
und siehst sie wieder.
Zerstückelt und zerstochen singen sie leise ihre Lieder.
Sprichst du noch immer nicht?
Sie haben gesagt, es würde Regen geben,
doch wir sitzen hier seit Stunden, trinken Wein
und sind einfach nur am Leben.
Bis unsre Welt zerbricht, es dunkel ist.
Und alles was uns bleibt
Ist ein neuer Morgen.
Du weißt,
was das heißt.
Motiviert durch Ma’s Kommentar zum Post „Siena ist Siena“.
Februar 24, 2009
Berlin ist eine Geliebte. Noch immer bin ich verliebt. Ich wollte Berlin erkunden, war berauscht von seiner Schönheit und Einzigartigkeit. Berlin kann überraschen und kann gefährlich sein. Berlin ist reizvoll, weil Berlin sich nicht kennen lernen lässt. Berlin ist nicht perfekt, aber Berlin ist Faszination. Wenn ich zurück komme, werde ich nervös sein. Ich vermisse Berlin, nicht weil ich mich dort wohl, sondern weil ich mich dort wie ein Kind fühle. Hilflos, neugierig und staunend.
Siena ist ein Freund. Siena kann ich blind vertrauen. Ich kenne Siena und fürchte mich nicht. In Siena fühle ich mich geborgen, erwarte keine unangenehmen Überraschungen. Siena hat sich nicht versteckt vor mir. Siena hat sich offenbart. Ich werde Siena vermissen, nicht aber leidenschaftlich, sondern freundschaftlich. Wenn ich zurück komme, werde ich nicht nervös, sondern gelassen sein.
Karneval in Venedig.
Februar 23, 2009
Die Nacht von Padua. The night of Padua.
Februar 23, 2009
Die Nacht von Padua war eine Nacht der Verluste, Enthüllungen und Skurrilitäten. Eine Nacht voller Tränen. Zauberfeentränen. Eine Nacht der Diebstähle, nicht nur materieller Art. Geh-, Flug- und Zauberkräfte werden gestohlen, Freundschaften vergessen und Schlaf beraubt.
Masken werden fallen gelassen ohne gesucht zu werden und Prinzipien aufgegeben ohne bereut zu werden.
Die Nacht von Padua war die Nacht der Maskerade voller Authentizität.
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The night of Padua was a night of losses, revelations and scurrilities. A night full of tears. Tears of fairies. A night of thefts, not only materially. Power to walk, to fly and to conjure was stolen, friendships were forgotten and sleep was robed.
Masks are dropped without being searched and principles are abandoned without being regret.
The night of Padua was the night of masquerade still full of authenticity.
Karneval in Verona.
Februar 22, 2009
Siena ist Siena. Abschied. Teil 1.
Februar 19, 2009
Siena ist Siena. Siena ist keine Stadt. Der Charakter Sienas ist stadtlos. Es gibt keinen Verkehr, keine Bettler, keine Graffitis, keine Fahrräder. Es gibt keine Diebstähle, es gibt keinen Müll, es gibt nicht einmal Satellitenschüsseln. Die Fußballfans sind die fairsten der Seria A und nur beim Spiel gegen die Florentiner ist die Stadionatmosphäre nicht „freundschaftsspielhaft“. Die Busse sind pünktlich, es gibt kein Cineplex oder Multiplex. Es gibt keinen Zara, keinen H&M und keinen Nike-Store. Beispiellos ist die Versessenheit auf das Palio und die damit einhergehende Relevanz der Stadtteile, Contraden genannt. In den Sommermonaten vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens eine Contrade die engen Straßen bevölkert und mit Gesängen, Farben und Fahnen die eigene Identität zelebriert. Auf den Straßen diskutieren alte Männer über Gott, Berlusconi, Siena und die Welt und wenn du ihnen entgegen lächelst, unterbrechen sie ihre Diskussion und lächeln im Gleichtakt zurück. Nachts ist Siena fast noch ungefährlicher als tagsüber, wo du mit diversen Touristengruppen zusammenstoßen könntest. Denn nachts ist Siena magisch: Trotz enger, teilweiser düsterer Gassen fühlst du dich fast „unecht“ sicher und die einzigen Gestalten die dir begegnen, sind ein paar minderjährige Amerikanerinnen, deren Eltern teuer für Flug, Sprachkurs und Aufenthalt bezahlt haben und die Töchtern friedlich schlafend glauben, ein italienisches Pärchen, das sich auf die gemeinsame Nacht freut und ein deutscher Tourist, der Siena bei Nacht fotografisch festhalten will und meist enttäuscht die „verblitzten“ Aufnahmen betrachtet. Wie gerne würde ich ihm raten, den Blitz auszustellen, aber zu heilig ist mir mein Monopol auf diese einzigartigen Bilder. Das Herz Sienas, von dem alle Nerven, Arterien und Energie ausgeht, ist der Piazza del Campo. Er ist der einzige Ort in der Innenstadt Sienas, der dich vor Kurzsichtigkeit und Erbleichen bewahrt, da die engen Gassen und hohen Häuser vor Sonne schützen. Die Touristen auf dem Piazza wandern mit der Sonne im Winter und mit dem Schatten des Torre im Sommer. Ein herrliches Schauspiel, das fast unbemerkt von statten geht, da du nur selten eine Person die Position verändern siehst.
Siena ist Siena. Zweiter Teil folgt in Kürze.

















































































































